Nachts wird’s rot
Aus dem Zweikampf zwischen dem VW Golf und dem Opel Astra ist der Wolfsburger als eindeutiger Sieger hervor gegangen, zumindest, was die Verkaufszahlen angeht. Der Golf hat sich 2010 fast viermal so häufig verkauft wie der Astra, der aber dennoch das bestverkaufte Opel-Modell ist. Wir waren im 180 PS starken Astra-Turbo unterwegs.
Mit gut 52000 Verkäufen von Januar bis September ist der Kompakte mit dem Blitz das erfolgreichste Nicht-VW-Modell in Deutschland – ist doch auch schon was. Und gut 50000 Käufer können ja so falsch nicht liegen. Der Astra zeigt an der Front mit dem vom Insignia bekannten Gesicht. Die Linienführung an der Seite offenbart eine eindeutige Coupé-Linie, das Heck ist kraftvoll.
Unser Test-Astra war mit dem zurzeit stärksten Benziner ausgestattet, der aus 1,6 Litern Hubraum satte 180 PS schöpft und dabei von einem Turbolader beatmet wird. Das typische Turboloch ist in kleiner Dimension noch vorhanden, doch ab 2000 Umdrehungen entfaltet sich die ganze Kraft nahezu ungehemmt. Die 230 Newtonmeter, die das Aggregat an maximalem Drehmoment zur Verfügung stellt, reichen nicht nur aus, um wie ein wilder Stier vorwärts zu preschen, sondern auch, um niedertourig im hohen Gang zu rollen – und das ist in der heutigen Zeit trotz aller PS die zweifellos ratsamere Gangart.
Wobei, darüber braucht man nicht zu diskutieren, wer einen 180 PS starken Kompaktwagen sein Eigen nennt, der wird auch regelmäßig das Turbopfeifen hören wollen. Für diese Art des Vorankommens empfiehlt sich die Investition von 980 Euro. Für dieses Geld bekommt man ein FlexRide genanntes System, das dem ohnehin vorzüglichen Fahrwerk die Krone aufsetzt. Aus drei verschiedenen Fahrmodi – Tour, Normal, Sport – kann der Fahrer seinen bevorzugten Stil auswählen. Entscheidet er sich für den Modus Sport, stellt dieser nicht nur Lenkung, Gasannahme und Dämpfer spürbar schärfer, er zeigt dies auch mit einer grellroten Illumination des Cockpits unmissverständlich an. Gerade nachts ein toller Effekt.
Aufpreisliste mit zahlreichen Spielereien
Für Technik-Afficionados gibt die Aufpreisliste zahlreiche Spielereien wie das adaptive Xenonlicht, Parkpilot, Verkehrsschilderkennung und manches mehr her. Ebenfalls zu empfehlen: Der Ergonomiesitz, der für 390 Euro unendlichen Seitenhalt und eine ausziehbare Oberschenkelauflage bietet. Serienmäßig ist die edle Optik des Innenraums und die feine Verarbeitungsqualität.
Der Astra ist im Vergleich zum Vorgänger kräftig gewachsen, doch den Fond-Passagieren hat das kaum etwas gebracht, sie würden sich weiterhin über mehr Bein- und Kopffreiheit nicht beschweren. Der Kofferraum will über eine hohe Ladekante beladen werden, und auf den EU-Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern darf man bei zügiger Autobahnfahrt schon mal ein gutes Drittel draufrechnen. Selbst mit sanftem Gasfuß wird man kaum auf einen Wert von unter 7,5 Litern kommen.
Der Golf ist außer Reichweite – aber nur, was die Verkaufszahlen betrifft. In punkto Fahrwerk und Technik ist der Astra auf Augenhöhe. Für den 180-PS-Turbo verlangen die Rüsselsheimer mindestens 22400 Euro – das ist, auch angesichts von Ausstattung und Qualität, ein Betrag, der in Ordnung geht.
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