BMW K 1200 R: Unverkleidet und unverschämt stark
Die Zeiten, in denen BMW mit seinen Motorrädern eine eher konservative Klientel bediente, denen Sicherheit vor Schnelligkeit ging und für die Leistung ein untergeordnetes Kaufargument war, gehören spätestens seit der Vorstellung der aggressiv gezeichneten K 1200 R der Vergangenheit an.
Im Wissen um die Leistung sollte man es beim Fahren lieber erst einmal ruhig angehen lassen. Der 1157 ccm große Motor gibt sich sehr zivilisiert und läuft seidig weich, die Gänge lassen sich sauber einlegen, die K 1200 R fährt souverän. Wird dann am Gasgriff gedreht und die Nadel des Drehzahlmessers steigt, merkt man schnell die Kraft des wassergekühlten Reihenmotors: Das Bike hat einen Bumms, dass es einem fast den Atem nimmt.
Es ist kein Problem, bis in den roten Bereich vorzudringen, der erst bei früher für BMW undenkbaren 11000 U/min beginnt. Der Motor zieht irrsinnig, läuft ganz dem Charakter des Bikes entsprechend etwas rau und entwickelt bei rund 6250 U/min etliche Vibrationen. Das ist aber verschmerzbar. Denn mit der K 1200 R jubelt man das Drehzahlband rauf und runter und freut sich am immensen Durchzug, der bei 8 250 U/min das maximale Drehmoment von 127 Nm erreicht.
Keine Frage, dass Überholvorgänge mit diesem Kraftpaket nur wenige Wimpernschläge dauern. Tempo 100 ist in 2,9 Sekunden erreicht, die 200-km/h-Marke wird nach 8,5 Sekunden passiert. Natürlich macht die K 1200 R mit dieser Power beim Sprint von Ampel zu Ampel oder dem Schaulaufen vor der Eisdiele eine mehr als gute Figur. Doch dank des breiten Lenkers und der aufrechten Sitzposition lässt sich das stattliche 237 Kilogramm schwere Bike auch auf der Landstraße locker und lässig um Kurven jagen. Die eigentliche Überraschung stellt sich jedoch ein, wenn man sich mit der nackten BMW auf die Autobahn begibt.
Das kleine Windschild am Lenker (Aufpreis: 165 Euro) nimmt sehr effektiv den Winddruck, so dass auch längere Etappen zurückgelegt werden können und man sich schon mal an die Höchstgeschwindigkeit von 262 km/h ranwagen kann. Tags darauf erinnern dann jedoch Rückenschmerzen von der gekrümmten Sitzposition an den Parforce-Ritt.
Ganz billig ist das unverkleidete Vergnügen jedoch nicht. 13.000 Euro muss der Käufer auf den Tisch des Händlers legen, um die BMW K 1200 R sein eigen zu nennen. Dazu addieren sich Extras wie zum Beispiel das Teilintegral-ABS (1 050 Euro), die elektronische Fahrwerksverstellung ESA (650 Euro), Heizgriffe (185 Euro) oder die Diebstahlwarnanlage (175 Euro). Außerdem schreibt BMW für die Befüllung des 19-Liter-Tanks das teure Super plus vor, von dem bei unserem Test immerhin 6,8 Liter pro 100 Kilometer durch die Einspritzanlage flossen. Hinzu kommt die Kfz-Steuer von 86 Euro im Jahr und Versicherungsbeiträge, die sich beispielsweise bei der AXA auf 179 Euro für die Haftpflicht belaufen.
Für diese Investition erhält man mit der unverkleideten K 1200 R aber das
bis dato frechste und kompromissloseste Motorrad aus weiß-blauer Produktion,
rattenscharf und überraschend alltagstauglich.
Teststeno: BMW K 1200 R
flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Viertaktmotor,
1157 ccm Hubraum, 120 kW/163 PS Leistung bei 10.250 U/min, maximales
Drehmoment 127 Nm bei 8.250 U/min, Höchstgeschwindigkeit 262 km/h,
elektronische Einspritzung, geregelter Katalysator, BMW Duolever vorn,
Einarmschwinge mit Paralever hinten, Kardanantrieb, Sechsganggetriebe,
Reifen vorn 120/70 ZR 17, Reifen hinten 180/55 ZR 17, Leergewicht (ohne
Zubehör) 237 Kilogramm, zulässiges Gesamtgewicht 450 Kilogramm, Zuladung 213
Kilogramm, Sitzhöhe 79 bis 82 Zentimeter, Tankinhalt 19 Liter, Verbrauch 6,8
Liter Super plus auf 100 Kilometer; Jahresbeiträge bei der AXA-Versicherung:
KH 179 Euro (SF 1, Zulassung Düsseldorf, 50 Millionen Euro pauschal mit
Schutzbrief), TK 380 Euro (150 Euro Selbstbeteiligung), Preis 13 000 Euro,
Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, Serviceintervall 10 000
Kilometer.
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