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Hybrid als Umwelt-Feigenblatt ?

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Von Lothar Hausfeld, 20. März 2010 00:00 Uhr

Touareg: Der Diesel ist die bessere Wahl

Hybrid als Umwelt-Feigenblatt ?

Es gab einmal eine Zeit, in der SUV sich wie geschnitten Brot verkauften. Je größer, desto besser. Seitdem man weiß, dass diese Art von Autos keinen wirklich signifikanten Beitrag zum Umweltschutz leisten, hat sich das Bild allerdings dramatisch gewandelt.

Auch der Touareg von Volkswagen fällt unter diese Kategorie. Mächtig, beeindruckend, kräftig. Im Grunde genommen für die allermeisten seiner Besitzer übermotorisiert, überproportioniert, aber dennoch 500000-fach verkauft. Das aber war gestern. Was tun also im Heute, beim Touareg der zweiten Generation? Leichter sollte er werden, und natürlich weniger verbrauchen. Neben zwei Dieselmotoren bietet VW erstmals auch einen Hybridantrieb an.

Ein Wort zum Äußeren vorweg: 200 Kilogramm hat das Dickschiff abgespeckt, und das sieht man ihm auch an. Eleganter ist er geworden, hat schärfere Linien und Kanten verpasst bekommen im Vergleich zum sehr wuchtigen Vorgänger. Der Innenraum ist eine wahre Wonne. Edles Material, luxuriöses Gestühl, Annehmlichkeiten, wohin man schaut. Zahllose Assistenzsysteme erleichtern das Leben an Bord, machen das Fahren sicherer. Dieser ganze Aufwand hat seinen Preis: Mindestens 50700 Euro sind für einen neuen Touareg anzulegen.

Dafür gibt es einen V6-Diesel, der als Einstiegsaggregat mit 240 PS alles mitbringt, was man im Alltag braucht. Zügiges Vorankommen ist kein Problem, entspanntes Gleiten sowieso nicht. 3,5 Tonnen sind der Anhängerkupplung zuzumuten, ins Gelände kann man sich auch trauen. Und wer denn wirklich mit einem mindestens 50000-Euro-Auto in richtig unwirtliches Gebiet vordringen will, der soll eben noch mal weitere 1900 Euro investieren und seinen Touareg per „Terrain Tech“-Paket richtig offroad-fähig machen. Exakt 100 PS und zwei Zylinder mehr bringt der V8-Diesel mit, der entsprechend kerniger klingt und mit wirklich beeindruckendem Nachdruck anschiebt.

Besonders stolz sind sie bei VW aber auf den Hybridantrieb. Spät kommen sie damit, nachdem Toyota oder Honda bereits viele Jahre Entwicklungsvorsprung haben. Kein Problem, wenn denn das Package stimmt. Beim Touareg schaltet man einen V6-Benziner mit 333 PS vor einen 46-PS-Elektromotor. Letzterer kann den 2,3 Tonnen schweren Hybrid bis Tempo 50 ohne Unterstützung des Ottomotors vorantreiben – bei äußerst sanfter Betätigung des Gaspedals. Die technische Umsetzung dieses komplexen Systems ist, wie man es bei VW nicht anders erwarten kann, perfekt. Der Fahrer bemerkt den Sprung zwischen Verbrennungs- und Elektromotor überhaupt nicht, das Wechselspiel geht so sanft wie bei keinem anderen Hybridauto vonstatten.

Alles gut also? Nein. Dafür ist der verwendete V6-Benziner einfach zu durstig. Zwar ersetzt der Hybrid den bisher angebotenen V8-Benziner, der verbrauchstechnisch tief in den roten Zahlen steckte. Dennoch: Wer bei Tempo 60, 1300 Umdrehungen und minimal gedrücktem Gaspedal auf den Momentanverbrauch schaut, muss mit Bestürzen Werte von bis zu 16 Litern registrieren – ein Unding. Nach einer äußerst sanft gefahrenen Stadt- und Landrunde stand im Bordcomputer ein Schnitt von 11,8 Litern. Das sind stolze 3,5 Liter über dem angegebenen Drittelmix. Trotz zahlreicher rein elektrisch gefahrener Passagen. Trotz vieler roter Ampeln, an denen das Start-Stopp-System den Motor abstellte. Dazu poltert das Fahrwerk in der Hybridvariante, die Bremse ist aufgrund des Energie-Rückgewinnungs-Systems kaum dosierbar, lässt die Insassen bei der kleinsten Berührung Richtung Frontscheibe vorschnellen – all das gilt für die beiden Dieselversionen nicht, denn die geben sich auf der Straße seidenweich.

Immerhin: Der Hybridantrieb erzieht den Fahrer zu einer vorausschauenden und sparsamen Fahrweise. Die zahlreichen Displays zeigen Energieflüsse oder Verbrauchswerte an, wecken den Sportsgeist im Fahrer, die aktuellen Werte bei der nächsten Fahrt zu unterbieten. Dennoch: Für europäische Verhältnisse bleibt der Dieselmotor der deutlich effizientere Antrieb. Der Hybrid im Touareg ist ein reiner Motor für das Marketing, der, technisch betrachtet, zwar perfekt funktioniert und demonstriert, was deutsche Ingenieurskunst zu leisten in der Lage ist. Sinnvoll ist diese Kombination aber hierzulande dennoch nicht.

 
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Wer Gewicht verliert, freut sich, wenn andere das bemerken. Auch dem VW Touareg sieht man seine 200-Kilo-Diät durchaus an. Der tut nichts, der will nur spielen ...
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Zumal der Kunde mindestens 73500 Euro dafür hinlegen muss, was reichlich Geld für ein Umweltfeigenblatt ist. Da ist es günstiger, sich die Dieselversion zu kaufen und einen „Hybrid“-Schriftzug ans Heck zu kleben – fertig ist der politisch korrekte Touareg. Verrückte Welt.  Mehr Volkswagen


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