BMW HP2: Die Feine fürs Grobe
Endlich einmal durften die BMW-Ingenieure walten wie sie wollten. Herausgekommen ist die Enduro HP2, wobei die Buchstaben für "High Performance" stehen, die "2" für die Zahl der Zylinder. Eine kompromisslose Geländemaschine, die technisch auf der R 1200 GS basiert, leicht und stark und obendrein edel ausgestattet.
Im Gelände überrascht die neue Enduro vor allem den eher ungeübten Piloten, dem sie ungeahnte "Freude am Fahren" vermittelt. Unbeirrt zieht die BMW durch den Dreck, erklimmt scheinbar mühelos steilste Hügel, fährt wieder abwärts und nimmt dem Fahrer alle Angst. Rutscht das Vorderrad im Sand? Nur ja nicht bremsen, sondern beherzt am Gasgriff drehen, dann stabilisiert sich das Gefährt ganz schnell wieder.
Aber auch erfahrene Enduristen, die überwiegend Produkten aus Österreich ausreichende Geländeeigenschaften attestieren, können sich für die Leistungen, die mit diesem Offroad-Boxer möglich sind, begeistern. Diese Könner schätzen die perfekte Ausstattung mit dem innovativen Luft-Feder-Dämpfersystem, Kreuzspeichenrädern mit den Hochleistungs-Geländereifen Metzeler Karoo und sinnvolle Details wie ein Distanzstück am Fußbremshebel, das jederzeit optimales Bremsen garantiert, sowie Anbauteile für den Offroad-Einsatz, die Mensch und Maschine schützen.
Weil das gewaltige Potenzial des Motors über einen großen Drehzahlbereich homogen abgegeben wird, sind keine bösen Überraschungen zu erwarten und die volle Konzentration kann dem zu bewältigenden Parcours gewidmet werden. Allerdings hemmt die Boxer-spezifische Bauweise mit den breiten Zylinderköpfen das Vorankommen in engen ausgefahrenen Spuren, obendrein droht an den üppigen Ausbuchtungen links und rechts des Motors bei einem Sturz ein brachialer Schaden. Das bremst dann doch etwas den Vorwärtsdrang.
Auch auf asphaltiertem Geläuf macht die reinrassige Geländemaschine zur Verblüffung des Piloten jede Menge Spaß. Selbst mit den grobstolligen Pneus läuft die HP2 locker und flott um die Kurven und hält sauber die gewählte Linie. Die BMW taugt selbst für die eine oder andere Autobahnetappe. Für Zwangspausen beim Fahrvergnügen sorgt schließlich der Kunststoff-Tank, denn der fasst nur 13 Liter Kraftstoff und ist mit dem von uns ermittelten Verbrauch von 5,7 Liter Super-plus-Benzin auf 100 Kilometer ruckzuck leer.
An der Zapfsäule lässt sich dann vortrefflich über Sinn und Unsinn der
HP2 philosophieren. Wer die 16.000 Euro Kaufpreis entbehren kann, darf
sich
über ein fantastisches Geländemotorrad freuen, das den Fahrer an seine
Grenzen treibt. Wer nicht so viel Geld hat, mag sich damit trösten, dass
das
Einsatzgebiet der BMW hierzulande mangels entsprechendem Gelände sehr
begrenzt ist, und dass sie kein ABS hat.
Teststeno: BMW HP2
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor, 1 170 ccm Hubraum, 77 kW/105
PS
Leistung bei 7.000 U/min, maximales Drehmoment 115 Nm bei 5.500 U/min,
vier
Ventile pro Zylinder, geregelter Katalysator, elektronische Einspritzung,
Upside-Down-Gabel vorn, BMW Paralever hinten, Kardanantrieb,
Sechsganggetriebe, Reifen vorn 90/90-21, Reifen hinten 140/80-17,
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h, Leergewicht (ohne Zubehör) 195 Kilogramm,
zulässiges Gesamtgewicht 380 Kilogramm, Zuladung 185 Kilogramm, Sitzhöhe
92
Zentimeter, Tankinhalt 13 Liter, Verbrauch 5,7 Liter Super plus auf 100
Kilometer, jährlicher Versicherungsbeitrag bei der AXA: KH 133 Euro (SF 1,
Zulassung Düsseldorf, 100 Mio. Euro pauschal mit Schutzbrief), TK 272 Euro
(150 Euro SB), Werksgarantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung,
Serviceintervall 10 000 Kilometer, Preis 16.000 Euro.
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