VN 1600 Classic Tourer: Große Freiheit mit 1600 ccm
Nach einem Jahr Pause schickt Kawasaki wieder eine Classic Tourer auf den deutschen Markt. Als Antrieb kommt der bekannte 1 600-ccm-Zweizylinder zum Einsatz, der ideal mit der Reisevariante der VN-Familie harmoniert. Da zudem der Soziusplatz wesentlich komfortabler gestaltet wurde als bei der Vorgängerin, ist die 14.195 Euro teure Kawasaki auch für Reisen zu Zweit wie geschaffen.
Bereits ab 60 km/h beschleunigt die von einer elektronischen Einspritzung befeuerte VN im fünften und höchsten Gang kräftig und ohne Stottern. Wer das Gas anschließend stehen lässt, kann die wirklich nicht aerodynamisch gestaltete Maschine bis auf 155 km/h treiben. Zwar bietet das serienmäßige Windschild auch dann noch ordentlichen Schutz, doch wird man dieses Potenzial allenfalls im Notfall ausnutzen. Echtes Reisedampfervergnügen findet auf der VN nämlich unterhalb von Tempo 130 statt. Dafür hält sich dann aber der Durchschnittsverbrauch selbst bei heftigem Beschleunigen mit sieben Litern Super auf 100 Kilometern durchaus in Grenzen. Dank des 20 Liter fassenden Tanks sind somit Etappen von rund 285 Kilometern machbar. Ein ungeregelter Katalysator ermöglicht weiterhin die Einhaltung der Euro-2-Norm. Aufgrund des großen Hubraums muss für die Kfz-Steuer 116 Euro pro Jahr eingeplant werden. Dafür schneidet der klassische Tourer bei der Versicherung gut ab: Obgleich er auf der Straße ein echter Hingucker ist, kostet die Teilkasko beispielsweise bei der AXA bloß 52 Euro (150 Euro Selbstbeteiligung). Für die Haftpflicht ist ein Jahresbeitrag von rund 80 Euro zu entrichten.
Nicht vergessen sollte man indes das enorme Leergewicht von 377 Kilogramm, das in Verbindung mit dem beachtlichen Radstand von 1,69 Metern vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten ein beherztes Zupacken erfordert. Vom Rangieren auf engem Raum ganz zu schweigen. Als wendiges Citybike wird sich die VN - wer will es ihr als Reisemotorrad verübeln - wohl niemals durchsetzen. Jenseits des Stadtrandes jedoch rollt sie zügig voran, und lässt sich dank des guten Fahrwerks und des leicht modifizierten Rahmens trotz der enormen Masse auch um enge Ecken recht leicht navigieren. Trotzdem sollte man nicht zu ambitioniert in die Kurven zu gehen, machen doch sonst die Trittbretter funkensprühend auf sich aufmerksam.
Keinerlei Probleme gibt es mit der Unterbringung von Sozia und Gepäck.
Denn zusätzlich zur Windschutzscheibe und den Seitenkoffern erhielt die
Classic Tourer eine Reihe neuer Ausstattungselemente, die vor allem den
Komfort des hinteren Gestühls verbessern. Dazu gehören die extrabreite
Sissybar, fein gearbeitete Soziushaltegriffe aus Leichtmetall oder der
Wechsel von Soziusfußrasten zu Soziustrittbrettern. Klagen wird man
angesichts solcher Komfortmerkmale kaum mehr hören. So kann denn der Fahrer
mit allen Sinnen den verhalten donnernden V-Motor und das entspannte
Fahrgefühl der VN genießen, die selbst dem Berufsverkehr auf einer
bundesdeutschen Autobahn noch einen Hauch von Highway-Romantik gibt. Dabei
profitiert die VN 1600 Classic Tourer vor allem von der stimmigen
Kombination aus einem prächtigen Motor, imposanter Optik, souveränem
Fahrverhalten und ordentlicher Verarbeitung. Einzig der nach wie vor
fummelige linke Seitendeckel, der das abschließbare Werkzeugfach beherbergt,
stört das Gesamtbild. Doch das fällt angesichts der guten Gesamtleistung der
14.195 Euro teuren VN nun wirklich nicht ins Gewicht.
Teststeno: VN 1600 Classic Tourer
flüssigkeitsgekühlter
Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, 1 553
Kubikzentimeter Hubraum, Leistung 49 kW/67 PS bei 4 700 U/min, max.
Drehmoment 127 Nm bei 2 700 U/min, elektronische Benzineinspritzung, fünf
Gänge, Sitzhöhe 72 Zentimeter, Tankinhalt 20 Liter, Reifen vorn 150/80-16,
hinten 170/70-16, Leergewicht 377 Kilogramm, Zuladung 185 Kilogramm,
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h, Verbrauch sieben Liter Super bleifrei auf
100 Kilometer, Kfz-Steuer 116 Euro, Beiträge für die Haftpflichtversicherung
bei der AXA-Versicherung (Zulassung Düsseldorf, Beitragssatz 100 Prozent, 50
Mio. Euro pauschal mit Schutzbrief): 80 Euro, Teilkasko (150 Euro
Selbstbeteiligung): 52 Euro; Preis 14.195 Euro.
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