BMW K 1200 GT: Express mit Zuschlag
Tourenfahrer werden bei BMW traditionell gut bedient. Komfortabel und durchdacht, praktisch und gut ausgestattet sind üblicherweise die weißblauen Motorräder für Fernreisende. Aber zügig oder gar sportlich unterwegs zu sein, war mit den üppig bestückten und dabei relativ schwach motorisierten Dickschiffen bisher nicht angesagt. Mit der neuen, 112 kW/152 PS starken und 252 km/h schnellen K 1200 GT hat nun auch das Expresstempo Einzug gehalten.
Aufgesessen, Startknopf gedrückt, losgefahren: Die Gänge rasten mit lautem Klacken, aber immerhin präzise ein. Der Vierzylindermotor entwickelt seine immense Kraft stetig. Wer anfangs vielleicht viel Respekt oder gar Unbehagen aufgrund des Gesamtgewichts von 296 Kilogramm ohne Fahrer hat, wird schnell eines Besseren belehrt: Die K 1200 GT lässt sich famos bewegen, sie kurvt handlich auf Land- und Bundesstraßen um die Ecken, schwimmt souverän durch den Stadtverkehr und auf der Autobahn fährt sie wie auf Schienen. Selbst bei ICE-Tempo, also mit Höchstgeschwindigkeit von 252 km/h, herrscht relative Ruhe hinter der elektrisch um 100 Millimeter verstellbaren Scheibe. Auch die serienmäßigen Koffer bringen den Express nie ins Wanken.
Dank der elektronischen Fahrwerkseinstellung ESA findet sich für jede Lebenslage die richtige Federbeineinstellung. Auch bei ordentlicher Beladung und zügigem Tempo ist die Bremsanlage nie überfordert. Das serienmäßige Teilintegral-ABS verzögerte zuverlässig und beruhigt die Nerven von Fahrer und Mitfahrer. Der Sozius findet zudem ein großzügiges Platzangebot sowie einen hohen Sitz- und Fahrkomfort vor.
Doch das strahlende Licht des Express-Bikes wird nach einiger Zeit und etlichen Kilometern ein wenig getrübt. Zu den negativen Punkten der GT gehören die ruckelnde Kraftübertragung und die sehr sensible Gasannahme, die den Fahrspaß vor allem innerorts mindert. Geschmacksache sind zudem das kantige Design sowie die neu gestaltete Warnblinkanlage, die jetzt mit beiden Blinkerschaltern gleichzeitig bedient werden muss.
Der Verbrauch von durchschnittlich 6,5 Litern Super plus auf 100 Kilometer ist zwar für einen Tourer recht hoch, doch bei einigen Etappen im Express-Tempo durchaus nachvollziehbar. Obendrein fasst der Tank 24 Liter Sprit, so dass nicht allzu oft eine Zapfsäule angesteuert werden muss. Weniger praxisfreundlich ist die sehr optimistische Verbrauchsanzeige des Bordcomputers, die im Schnitt lediglich 5,5 bis 5,9 Liter Verbrauch signalisierte und so fast einen Liter pro 100 Kilometer auf wundersame Weise verschwinden lässt.
Beim Kauf der BMW K 1200 GT kann sich der recht stattliche Basispreis
von 17 000 Euro schnell mit einigen Extras erhöhen. So summieren sich
beispielsweise Xenon-Licht, ESA, Sitzheizung sowie Heizgriffe, Tempomat,
Bordcomputer und die Diebstahlswarnanlage mit Fernbedienung zur stolzen
Summe von 19 050 Euro. Müde lächeln kann der Fahrer da über den jährlich
fälligen Betrag für die Haftpflichtversicherung, die bei der AXA bei 171
Euro liegt. Denn wer mit dem rasanten Komfort-Express unterwegs ist, muss
eben einige Zuschläge zahlen.
Teststeno: BMW K 1200 GT
flüssigkeitsgekühlter
Vierzylinder-Viertaktmotor,
1 157 ccm Hubraum, 112 kW/152 PS Leistung bei 9500 U/min, maximales
Drehmoment 130 Nm bei 7750 U/min, vier Ventile pro Zylinder, geregelter
Katalysator, elektronische Einspritzung, BMW Duolever vorn,
Einarmschwinge
mit Paralever hinten, Kardanantrieb, Sechsganggetriebe, Reifen vorn
120/70
ZR 17, Reifen hinten 180/55 ZR 17, Höchstgeschwindigkeit 252 km/h,
Leergewicht (ohne Zubehör) 296 Kilogramm, zulässiges Gesamtgewicht 520
Kilogramm, Zuladung 224 Kilogramm, Sitzhöhe 82 bis 84 Zentimeter,
Tankinhalt
24 Liter, Verbrauch 6,5 Liter Super plus auf 100 Kilometer, Garantie zwei
Jahre ohne Kilometerbegrenzung, Serviceintervall 10 000 Kilometer,
AXA-Versicherungsbeiträge: Haftpflicht (SF 1, Zulassung Düsseldorf, 100 Mio.
Euro pauschal mit Schutzbrief) 171 Euro; TK (150 Euro SB) 362 Euro;
Grundpreis: 17.000 Euro.
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