Kawasaki ER-6n: Reduktion auf das Wesentliche
Wer erstmals die Kawasaki ER-6n auf der Straße sieht, wird sie sofort erkennen: Die Front des neuen Modells wirkt ebenso mutig wie avantgardistisch und das seitlich angebrachte Federbein sowie der extrem kurze Auspuff zeugen vom Ideenreichtum. Zurecht wurde erst kürzlich das rund 6 200 Euro teure Motorrad als "schönstes Naked Bike der Welt" ausgezeichnet. Wer jedoch angesichts des nüchternen Namens meint, es handle sich lediglich um eine aufgefrischte ER-5, der irrt. Denn erstens bleibt die ER-5 weiterhin im Programm und zweitens ist die ER-6n eine komplette Neuentwicklung.
Bereits ab 2 000 Umdrehungen stellt das Triebwerk sein gutes Durchzugsvermögen unter Beweis, wobei sich bei steigender Drehzahl der sportliche Charakter des kernig zur Sache gehenden Zweizylinders immer stärker bemerkbar macht. Somit lässt sich die ER-6n dank des ordentlichen Drucks in mittleren Drehzahlen auf der einen Seite recht schaltfaul bewegen, ohne auf der anderen Seite bei schaltfreudiger Fahrweise überfordert zu wirken. Da zudem der Verbrauch selbst bei längeren Vollgasfahrten kaum über moderate 5,5 Liter Superbenzin steigt, kann man den Antrieb als rundum gelungen bezeichnen. Mit ein wenig Feingefühl in der Gashand sind mit dem 15,5 Liter fassenden Tank Reichweiten von rund 300 Kilometern möglich. Finanziell fallen auch die Versicherungsbeiträge kaum ins Gewicht. Die Haftpflicht kostet im Jahr beispielsweise bei der AXA rund 75 Euro.
Allerdings können lang gewachsene Fahrer auf dem handlichen Naked Bike ihre Probleme haben. Während eher kleine Personen auf der gerade mal 78,5 Zentimeter hohen Sitzbank hervorragende Verhältnisse vorfinden, ist der Kniewinkel für Großgewachsene fast ein wenig eng. Dafür gefällt der recht hoch montierte Lenker, mit dem sich die Kawasaki spielerisch einfach rangieren lässt. Der positive Eindruck ändert sich auch während der Fahrt nicht. Ganz im Gegenteil überrascht die 650er selbst erfahrene Biker mit einem wirklich ausgezeichneten Handling. Mit Leichtigkeit lässt sich die 194 Kilogramm schwere Maschine von einer Kurve in die nächste legen.
Der elegante Gitterrohrahmen mit dem auf der rechten Seite angeordneten, schräg angestellten Federbein ist schon optisch ein Leckerbissen, auch wenn die Schweißnähte des Bauteils ein wenig sorgfältiger gezogen sein dürften. Zudem könnten die Bremsen mehr Biss vertragen. Doch es empfiehlt sich ohnehin, auf das für 600 Euro optional erhältliche ABS zurückzugreifen. Damit ausgestattet avanciert die ER-6n zu einer ebenso sicheren wie handlichen Alltagsmaschine, die mit ihrem mutigen Design und dem günstigen Verbrauch frischen Wind in die zweirädrige Mittelklasse bringt.
Technische Daten Kawasaki ER-6n:
Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihen-Motor, vier Ventile
pro Zylinder, 649 ccm Hubraum, Leistung 54 kW/73 PS bei 8 500 U/min, max.
Drehmoment 66 Nm bei 7 000 U/min, elektronische Einspritzung, geregelter
Katalysator, Euro-3-Norm, sechs Gänge, Sitzhöhe 78,5 Zentimeter, Tankinhalt
15,5 Liter, Reifen vorn 120/70 ZR 17, hinten 160/60 ZR 17, Leergewicht 194
Kilogramm (mit ABS: 198), Zuladung 180 Kilogramm (mit ABS: 176),
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h, Verbrauch 5,5 Liter Superbenzin auf 100
Kilometer, Jahresbeiträge bei der AXA-Versicherung: KH 75 Euro (SF 1,
Zulassung Düsseldorf, 50 Mio. Euro pauschal mit Schutzbrief), TK 49 Euro
(150 Euro Selbstbeteiligung), Grundpreis 6 195 Euro, Aufpreis ABS: 600 Euro.
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