Der Audi RS3 Sportback: Der etwas andere A3
Trotz aller Zuneigung zum elektrischen Antrieb: Audi baut das Angebot an Spitzensportlern mit konventionellem Verbrennungsmotor weiter aus. Jüngstes Kind aus dem Leistungskader ist der RS3 Sportback, der in der bis vor Kurzem noch als Einsteigerbaureihe geltenden A3-Serie debütiert.
49.900 Euro kostet der RS3 Sportback. Ab Ende April steht das kompakte Kraftpaket bei den Audi-Händlern. Die Optik des aus manchem Blickwinkel etwas bieder wirkenden A3 wird bei der Spitzenversion erheblich geschärft. Vorn künden große Lufteinlässe im Stoßfänger vom Leistungswillen, das RS3-Emblem am Kühlergrill räumt jeden Zweifel darüber aus, dass hier vielleicht ein Leisetreter in den Startlöchern stünde.
Die verbreiterten Kotflügel formt Audi aus mit Kohlestofffaser verstärktem Kunststoff, sie schaffen Raum für die 19 Zoll großen Leichtmetallräder und die vergrößerten Bremsscheiben (vorne 370, hinten 310 Millimeter Durchmesser). Die Federn wurden um gut einen Zentimeter gekürzt. Der RS3 hockt fett auf der Straße, als könne ihn keine Macht der Welt vom Asphalt lösen.
Innen gibt es eine sehr schwarze Ausstattung, Sportsitze oder auf Wunsch Schalensitze sind Ausdruck des sportiven Anspruchs, das mit Veloursleder bezogene, unten abgeflachte Dreispeichenlenkrad ist es nicht minder.
Unterwegs löst der Kompakt-Sportler alle seine optischen Versprechen ein. Der Motor springt mit klassisch rauem Fünfzylinder-Klang an, der Druck aufs Gaspedal entfesselt dann nachhaltige Kräfte, in flinken 4,6 Sekunden stürmt der RS3 von 0 auf Tempo 100.
Nicht nur in der Sport-Einstellung des serienmäßigen DSG-Getriebes dreht die Maschine bis fast an die Marke von 7000 Umdrehungen in der Minute, was für einen Turbomotor ein überhaus hohes Niveau ist. Dabei legt das Triebwerk eine Symphonie auf, die jeden Sportwagenfreund zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Tiefes Grollen, heißeres Fauchen begleitet den geschwinden Sprint, und wer die Sporttaste an der Schalttafel drückt, der die beide Klappen im Doppelauspuff weiter öffnet, entlockt der Maschine ein zusätzliches Jauchzen.
Damit die Kraft nicht in Schlupf, sondern in reinen Vortrieb umgesetzt wird, besitzt der RS3 einen Quattro-Antrieb mit einer Haldex-Kupplung der dritten Generation samt Sport-Differenzial. Hier schließt eine elektronisch gesteuerte Ölpumpe die Kupplung, die im Antriebsstrang in Windeseile für die feste Verbindung zur Hinterachse sorgt. Die Verstärkung des Drehmoments am kurvenäußeren Rad der Hinterachse macht den Sportkombi noch agiler. Traktion ist gegeben, aber bei einem Zwischenspurt, wenn die Drehmomentspitze von 450 Newtonmetern sehr plötzlich und ohne den Umweg über ein Turboloch anliegt, geht dem Sportback der Grip doch etwas verloren. Das ESP kann im Sportmodus auf die zügige Fahrweise abgestimmt werden, lässt dann leichtes Übersteuern zu. Was sich sicher nur auf der abgesperrten Rennstrecke oder einem dafür freigegebenen, zugefrorenen See empfiehlt. Dann aber ist der Spaßfaktor kaum höher zu bewerten.
Das Fahrwerk, vor allem Lenkung und Bremsen, haben dieses Leistungspotenzial souverän im Griff. Am Volant wird bestes Gefühl für die Fahrbahnbeschaffenheit gegeben, direkt und ohne Zögern lenkt der RS3 ein. Die Einflüsse des Antriebs sind dabei nur sehr verhalten zu bemerken. Die verstärkte Bremsanlage verzögert den sportlichsten aller A3 mit feiner Dosierbarkeit und zeigt sich von der standfesten Seite.
Auch wenn die Namensgebung des RS3 als „Sportback“ verwirrt (sie steht bei Audi heute eher als Typisierung für die viertürigen Coupés A5 und A7), kann der sehr engagierte Kompaktkombi durchaus mit Alltagstauglichkeit punkten. Seine Federung ist straff definiert, aber nicht wirklich unkomfortabel, der Kofferraum mit einem Volumen von bis zu 1032 Liter durchaus für kleinere Transportaufgaben gerüstet.
Das dezente Understatement und die üppige Motorleistung, die sich wohl nur dem Automobil-Enthusiasten zu erkennen gibt, verleihen der an ihrem Lebensabend stehenden A3-Serie noch einmal Glanz. Das Topmodell hat erhebliches Potenzial, das sportliche Image der Marke zu stärken – je später der Abend, desto schärfer die Gäste.
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