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Der neue VW Jetta - Mehr Eigenständigkeit
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Weg vom Golf Image

Der neue VW Jetta - Mehr Eigenständigkeit

Wolfsburg. Der neue Jetta ist das Weltauto des VW-Konzerns: Das Design ist überall identisch, die Technik aber je nach Region unterschiedlich. Punkten will die Stufenheck-Limousine will mit unaufgeregter Solidität und gleichzeitig weg vom Golf-mit-Rucksack-Image.

 
 
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Der neue VW Jetta. Markengesicht an der Front – auch hier gilt: typisch VW. Foto: VW Mehr Eigenständigkeit: VW will den neuen Jetta nicht mehr Golf-Ableger verstanden wissen, sondern als unabhängiges Modell. Foto: Volkswagen In Deutschland verschmäht, in den USA aber erfolgreich: Der VW Jetta. Der Jetta positioniert sich unter dem Passat, bietet aber trotzdem reichlich Platz und Kofferraum. Mehr Eigenständigkeit in der Seitenansicht. An der Front zeigt sich das typische VW-Gesicht. Anders als in der Vergangenheit spendiert VW seiner Stufenhecklimousine eine andere Plattform als dem Golf. Im Vergleich zum Vorgänger ist die neue Generation deutlich gewachsen. Das Heck erinnert ein wenig an den Audi A4. Knapp 21.000 Euro kostet der Einstieg in die Jetta-Welt. Das Einstiegsmodell wird mit 105 PS starkem TSI-Benziner ausgeliefert. Der günstigste Diesel leistet ebenfalls 105 PS. Sein Preis: 23.075 Euro. Altbekanntes Interieur: Einfach in der Bedienung, hochwertig in der Qualität.
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Wolfsburg. Bei Rockstars ist die Reihenfolge klar: Erst gibt es ein Album, und wenn das erfolgreich ist, folgt die Welttournee. VW dreht beim neuen Jetta die Agenda in bester wir-sind-wir-Manier kurzerhand um. Die sechste Generation der Stufenheck-Limousine hat bereits in New York, San Francisco, München und Istanbul Station gemacht, bevor überhaupt feststeht, ob sie ein Erfolg wird.

Ein Blick auf die Statistik rechtfertigt die Wolfsburger Chuzpe zumindest teilweise: Von den bisherigen fünf Jetta-Generationen gingen über zehn Millionen Exemplare über den Ladentisch. Bei der Erfolgswelle, auf der die Truppe um Konzernlenker Martin Winterkorn gerade schwimmt, ist davon auszugehen, dass auch der neue Jetta kein Ladenhüter wird.

Das wäre auch fatal, denn die Kompakt-Limousine ist als Weltauto konzipiert und soll überall auf der Welt Anklang finden. Die Auswirkungen dieser Prämisse sind offensichtlich. Das Design polarisiert genauso wenig wie ein Geschäftsmann im dunklen Anzug und akkurat frisierten Seitenscheitel, ist aber ein deutlicher Fortschritt gegenüber der „Golf-mit-Rucksack“-Ära früherer Jetta-Modelle.

Getreu dem Adenauer-Motto „Keine Experimente“ griffen die Designer bei der Formensprache im virtuellen Konzernregal zu. Herausgekommen ist ein Wolfsburger Allerlei mit visuellen Anleihen bei verschiedenen Modellen. Angefangen von Polo (untere Frontschürze), garniert mit einer Prise USA-Passat (Heckleuchten) und dem typischen Konzerngesicht mit den schwarzen Querbalken.

Die Melange setzt sich unter dem Blechkleid fort. Der Jetta basiert auf der Plattform des Golf 5 (PQ 35), allerdings in der LC-Variante. LC steht für Low Cost. Die Architektur, also zum Beispiel das Bordnetz, ist bei der Europaversion näher am Golf 6, also PQ 36. Das erkennt man am Kombi-Instrument, das hierzulande die übliche Vier-Augen-Optik hat, wogegen in den USA ein digitales Mittel-Instrument das Blickfeld des Fahrers beherrscht. Kein Wunder, jenseits des großen Teichs stammt das Bordnetz vom Polo (PQ 25). Auch das Cockpit wirkt im Euro-Jetta hochwertiger: Statt Hartplastik greift man hier auf unterschäumten Kunststoff. Serienmäßig gibt es in Europa, ein kühlbares Handschuhfach, ESP, sechs Airbags und eine manuelle Klimaanlage.

Auffällig sind die Unterschiede bei der Hinterachse. Während sich die Europäer über eine aufwändige und teure Mehrfachlenkerachse freuen, müssen die US-Kunden mit der Verbundlenker-Version vorlieb nehmen. Ob ein Otto-Normal-Fahrer den Unterschied merkt, bleibt mal dahingestellt. Außerdem hat die US-Basis-Version des Jettas noch altertümliche Trommelbremsen. Irgendwie muss ja der Preis-Unterschied von knapp 12 000 Euro (USA, ohne Steuer) zu 20 900 Euro (17 563,03 Euro ohne Mehrtwertsteuer) gerechtfertigt werden.

Auf der Straße gibt sich der Jetta keine Blöße. Grobe Querfugen werden souverän weggebügelt. Die Kehrseite der bequemen Medaille ist ein sehr unaufgeregtes Fahrverhalten. Wer einen aktiven Kurvenwedler sucht, ist beim Jetta falsch. Die Lenkung ist etwas indifferent und die Schaltung könnte etwas weniger hakelig sein.

Zum Marktstart an diesem Wochenende kann man aus drei Aggregaten wählen: Der 1,2-Liter-TSI-Motor (105 PS) ist beim Anfahren und bei hohen Drehzahlen ziemlich knurrig und daher akustisch stets präsent. Wer etwas mehr Verve und weniger Brenngeräusche möchte, sollte auf den 1,4-Liter-TSI-Motor mit 122 PS warten, der bis zur Jahresmitte erhältlich sein wird.

Nichts falsch machen Kilometerfresser mit den bekannten 1,6 (105 PS) und 2,0 Liter (140 PS) großen TDI- Konzerndieseln. Für die Freunde des elektrischen Fahrens gibt es im nächsten Jahr auch einen Hybrid, bestehend aus 150-PS-Verbrennungsmotor und einem 20-kW-E-Motor mit Lithium-Ionen-Batterie.

Auch beim Raumangebot punktet der globale Wolfsburger. Dank des um 7,3 Zentimeter auf 2,65 Meter gewachsenen Radstand lässt sich in der 4,64 Meter langen Stufenhecklimousine kommod reisen. Im Fond finden auch Personen über 1,90 Meter Platz und genügend Kopffreiheit. Der Kofferraum ist mit 510 Liter (Golf 6: 350 Liter) wirklich groß. Legt man die Sitzlehnen der Rückbank um, wächst er nochmal, aber es bleibt eine Stufe.

Unterm Strich ist der Jetta ein grundsolides Fahrzeug ohne große Stärken oder Schwächen. Eben jemand, der wohl am besten den Wolfsburger Marken-Claim personifiziert. Und der heißt schlicht und ergreifend: „Das Auto“.


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