Aller Auto Anfang
Stuttgart. Am automobilen Anfang standen ein zerbrechlich wirkendes Dreirad und ein traditioneller Kutschwagen – zwei Konstruktionen, die die Welt verändern sollten. Carl Benz erhielt am 29. Januar 1886 das Patent für seinen dreirädrigen Motorwagen und wenige Wochen später brachte Gottlieb Daimlers Motorkutsche die Räder ins Rollen - zunächst in Deutschland, kurz darauf in der ganzen Welt.
Benz und Daimler waren Visionäre, beide nutzten Messen wie die Pariser Weltausstellung von 1889, um ihre Automobile global zu vermarkten und internationale Lizenzproduktionen anzustoßen. Der weltoffene Gottlieb Daimler ging sogar von Beginn an so weit, die Mobilisierung der Menschheit „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ mit Hilfe des Verbrennungsmotors vorauszusagen.
Diese Überzeugung trieb ihn an, sich mit dem New Yorker Klavierhersteller William Steinway über eine Lizenzproduktion der Daimler-Produkte in Amerika zu einigen. Schon im September 1888 wurde es konkret: Die Daimler Motor Co. mit Sitz in Long Island, New York, wurde erster europäische Autohersteller in den Vereinigten Staaten, wobei sich der Lizenzvertrag anfangs allerdings auf den Bau von Stationär- und Schiffsmotoren beschränkte. 1891 ließ William Steinway den ersten betriebsfähigen Fahrzeugmotor Amerikas nach Originalplänen Gottlieb Daimlers herstellen, ehe 1893 in Chicago ein Daimler-Motorwagen Premiere feierte. Wirklich in Serie ging aber erst der „American Mercedes 45 HP“ von 1905. Und Carl Benz? Er war in Amerika nicht minder früh dabei. Die ersten Fahrzeuge wurden in den 1890er Jahren unter den Namen „Eclair“ und „Roger-Wagen“ vertrieben.
In Großbritannien und allen Kolonien des Empires – außer Kanada und Indien – ebnete der junge Ingenieur Fredrick Simms gegen alle Hürden der Bürokratie den Weg für Daimler-Fahrzeuge. Simms erwarb 1890 die Patentrechte auf alle bisherigen Erfindungen Daimlers, die fünf Jahre später an die Daimler Motor Company Ltd. übergingen. Nachdem sogar der Prince of Wales enthusiastischer Daimler-Riemenwagen-Fahrer geworden war, genoss Daimler über Jahre im gesamten britischen Einflussgebiet einen einzigartigen Sonderstatus.
Frederick Simms wiederum galt seit 1891 als Erfinder der Begriffe „motor car“ und „petrol“ (Benzin), die er beide stets im Zusammenhang mit Daimler gebrauchte.
Auch die ersten Nutzfahrzeuge vermarkteten Benz und Daimler von Beginn an global. Wieder gelang es den Automobilpionieren mit frühen Lizenzproduktionen ein festes Fundament für langfristige Erfolge zu legen. So fertigte Daimler seit 1898 Lieferwagen in Österreich, zwei Jahre später sogar in New York und im zaristischen Russland. Benz-Transporter wurden dagegen in Birmingham produziert – allerdings als Reaktion auf die Erfolge der Daimler Motor Company in Coventry.
Zum größten Automobilhersteller avancierte Ende des 19. Jahrhundert Frankreich. Wieder war es Daimler, der dafür die Initialzündung setzte. So rüsteten nicht nur die Marktführer Panhard & Levassor und Peugeot ihre ersten Modelle mit Daimler-Motoren aus. Bald fuhren in Frankreich mehr Fahrzeuge mit „Moteurs système Daimler“ als im Mutterland des Automobils. Hier setzte Daimler zu Beginn des neuen Jahrhunderts einen weiteren automobilen Anfang: Mit dem Markenamen Mercedes.
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