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Stille Revolution

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Autor: Lothar Hausfeld 11. Februar 2011 10:00 Uhr

Sportlich, elegant, voller Hightech: Der neue Audi A6

Stille Revolution

Ingolstadt. Es gibt sie noch, die Automobile, die für die Hersteller ein Quell steter Freude sind. Beispielsweise die Business-Class-Limousinen: Diese werden zum überwiegenden Teil im gewerblichen Bereich eingesetzt, wo es auf die letzten paar Euro monatliche Leasingrate nicht ankommt. Traditionell schöpfen in diesem Bereich Mercedes, BMW und Audi den fetten Rahm von der Milch ab. Jetzt werden die Karten im ebenso traditionellen Dreikampf E-Klasse, 5er und A6 neu gemischt, wenn ab Ende März der neue Audi A6 an den Start geht.

 
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Zackig geschnittene Frontleuchten, etwas reduzierter Single-Frame-Grill: Der neue A6 hebt sich ein wenig von seinen Markenbrüdern ab. Fotos: Audi Audi-Qualität im Innenraum auf nochmals höherem Niveau. Auf Wunsch Internetzugang. Breite Heckleuchten. Der neue Audi A6 geht Ende März in Deutschland an den Start. Wie schon bei den Vorgängermodellen überzeugt der Ingolstädter mit einem Mix aus Sportlichkeit und Eleganz. Das Frontdesign wirkt im Vergleich zu seinen Brüdern A5 oder A7 endlich wieder eigenständiger. Der Singleframe-Grill wurde etwas verkleinert, was für mehr Eleganz und weniger Aggressivität sorgt. Die breiten Heckleuchten verschaffen dem A6 einen soliden Auftritt. Die Linienführung in der Seitenansicht ist unaufgeregt-klassisch. Der Kofferraum schluckt bis zu 530 Liter; wer mehr Volumen braucht, muss auf den Kombi warten, der im Laufe des Jahres kommt. Zum Marktstart stehen je zwei Benziner und Dieselmotoren, allesamt Sechszylinder, zur Auswahl. Im Innenraum gibt es zahllose High-Tech-Spielereien, wie zum Beispiel einen kabellosen Internetzugang, als Zubehör. Das Cockpit überzeugt wie gewohnt mit extrem hoher Qualität und Materialauswahl.
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Die kritischen Stimmen haben sich in den letzten Monaten durchaus gemehrt, wenn die Sprache auf das Frontdesign der Audi-Modelle kam. Vom A1 bis zum A8 regiert ein gewisser Einheitslook, beim flüchtigen Blick in den Rückspiegel kann man sich kaum sicher sein, ob da jetzt ein Durchschnitts-A4 oder der High-End-A8 heranrauscht.

Beim A6, der zunächst als Limousine und im Laufe des Jahres als Kombi kommt, ist das erfreulicherweise ein wenig anders; der dominante Single-Frame-Grill wurde etwas eingedampft, was für eine angenehmere Erscheinung sorgt: Sportlichkeit ja, aber Aggressivität nein. Einfach elegant wirkt der A6, ohne übertriebene Sicken und unruhige Linien modelliert, dafür mit einer eng sitzenden Hülle, die die angespannten Muskeln kaum verbergen kann.

Im Innenraum hat der A6 nochmals erheblich zugelegt. Haptik, Optik und Technik – in diesen Disziplinen setzen die Ingolstädter Maßstäbe. Die Instrumente sind eindeutig zum Fahrer ausgerichtet, die Möglichkeiten der individuellen Feinjustierung der Systeme ist beeindruckend, auf den ersten Blick sogar ein wenig einschüchternd.

Das MMI-Radio mit großem Bildschirm ist Serie, darüber hinaus sind zahllose Technikspielereien von der mal wieder ausufernden Aufpreisliste bestellbar. Head-up-Display, ein Navigationssystem, das sich über ein Touchpad mit handschriftlichen Eingaben bedienen lässt, die Einbindung von Google Earth in das Navi, ein W-LAN-Internetzugang, das bis zum Stillstand bremsende Assistenzsystem Audi pre sense, Nachtsichtassistent, Einparkautomat und vieles (vieles, vieles) mehr. Das, was sonst nur in der Luxusklasse erhältlich war, steht jetzt auch eine Liga tiefer zur Verfügung.

Zum Start in den Markt ab Ende März gibt’s den A6 zunächst in vier verschiedenen V6-Motorisierungen. Benziner mit 204 und 300 PS sowie Diesel mit 204 und 245 PS stehen zur Verfügung, teilweise mit Allradantrieb, Automatik (Multitronic oder S-tronic) ist Serie. Einige Wochen nach dem Debüt wird ein Vierzylinder-Diesel mit 177 PS nachgeschoben, der mit einem Verbrauch von 4,9 Litern auf 100 Kilometer die Rolle des Effizienzvorreiters übernimmt.

Start-Stopp ist in allen Varianten serienmäßig an Bord, und überhaupt stand die Verbrauchsreduzierung im Mittelpunkt der Ingenieursbemühungen. Im Vergleich zu den alten Motoren verbrauchen die Nachfolgeraggregate bis zu 21 Prozent weniger. Gedreht wurde dafür an zahllosen Stellschrauben, vom Thermomanagement der neuen Klimaautomatik bis zum umfangreichen Leichtbau. Bis zu 80 Kilogramm wiegt die neue Generation des A6 weniger, hat zudem etwas an Länge verloren. Dafür wuchs der Radstand um satte sieben Zentimeter – was vor allen Dingen den Passagieren im Fond zugutekommt, die ihre Beine entspannt ausstrecken können. Dafür geraten Großgewachsene oben herum etwas zu schnell an ihre Grenzen.

Bis der Vierzylinder kommt, gilt auf jeden Fall eine eindeutige Kaufempfehlung: Der 3.0 TDI mit 204 PS befriedigt alle relevanten Kundenwünsche. Dank 400 Newtonmeter maximalen Drehmoments sind Überholvorgänge in Windeseile erledigt, ansonsten gleitet der A6, dezent brummelnd, im niedrigen Tourenbereich dahin.

Das serienmäßige Audi Drive Select lässt dem Fahrer die Wahl, ob er sportlich oder lieber komfortabel vorankommen möchte. Wer die Querfugen auf der Straße nicht im Kreuz spüren möchte, sollte die Einstellung „Comfort“ wählen, ansonsten gibt sich die Federung schon mal recht knorrig.

Der 300 PS starke V6-TFSI arbeitet zwar deutlich leiser als der Selbstzünder, ist aber naturgemäß eine ganze Ecke durstiger als der TDI (8,2 zu 5,2 Liter auf 100 Kilometer). Zudem ist der Benziner nicht ganz so überzeugend im Durchzug, fühlt sich schlapper an, als 300 PS auf dem Papier versprechen.

Was allerdings besonders beeindruckt an Bord des A6: die Ruhe. Fast gänzlich abgeschirmt von den Geräuschen der hektischen Außenwelt, genießt man an Bord eine himmlische Stille. Gepaart mit den ganzen technischen Highlights, die sonst nur in der Luxusklasse zu haben waren, kann man schon von einer stillen Revolution sprechen.

Ach, und wo es gerade so schön ruhig hier ist: Kommen wir auf die Preise zu sprechen. Ab 42050 Euro geht’s los; der später dazustoßende Vierzylinder senkt den Einstieg immerhin auf 38500 Euro.

Die Serienausstattung mit dem MMI-Radio, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Tempomat oder Drive Select ist zwar schon besser ausgefallen als bei früheren Modellen, aber ein Blick in die Preisliste ist immer noch sehr aufschlussreich: Die Serienausstattung passt auf viereinhalb Seiten, die Extras nehmen derer 15 ein. Darunter sind für Otto-Normalkäufer einige echte Unverschämtheiten wie Parksensoren für 780 Euro, iPod/MP3-Player-Anschluss für 245 Euro, Getränkehalter hinten für 100 Euro, eine umklappbare Rücksitzbank für 310 Euro oder automatisch abblendender Innenspiegel für 165 Euro, doch wie gesagt: In der Business-Class – mehr als 80 Prozent der A6-Käufer kommen aus dem gewerblichen Bereich – kommt’s auf die paar Euro monatlicher Leasingrate nicht an.


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