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„Das ist Autofahren im eigentlichen Wortsinn“
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Autor: Lothar Hausfeld 05. März 2011 08:00 Uhr

Porsche 904 Carrera GTS

„Das ist Autofahren im eigentlichen Wortsinn“

Stuttgart. Walter Röhrl ist eine echte Rennsportlegende. Der zweifache Rallye-Weltmeister und vierfache Gewinner der Rallye Monte Carlo ist auch heute noch ein Fachmann auf seinem Gebiet, der mit traumwandlerischer Perfektion nahezu jedes Rennauto auf Rundenbestzeit bringt. Seit einigen Jahren ist der Bayer als Berater und Markenbotschafter für Porsche unterwegs. Wir hatten das Glück, auf dem Beifahrersitz eines von ihm gesteuerten Porsche 904 Carrera GTS – der als Urahn des Cayman R gilt – Platz nehmen zu dürfen.

 
Rennstreckenlegende: Porsche 904 Carrera GTS.  Vergrößern
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Röhrl grinst, als sich der nicht direkt untergewichtige Redakteur in den gerade einmal 1,06 Meter hohen Rennwagen zwängt. „Ich muss selber auch den Kopf schief legen“, tröstet Röhrl. „Und der Sitz ist schon auf der niedrigsten Position eingestellt.“ Die Schalensitze schlucken förmlich jeden Passagier, und obwohl es keine Gurte gibt, braucht man keinerlei Sorgen haben, dass man aus dem Gestühl fliegen würde. Seitenhalt? Eher Seitenwürgegriff.

Der 904 ist aus dem Privatbesitz von Oliver Porsche – und der würde vermutlich kaum jemand anderen als Walter Röhrl ans Steuer dieses Schätzchen lassen. Der Motor wird gestartet, und gerade einmal 180 PS heulen auf. Was heutzutage in jedem besser ausgestatteten Mittelklassewagen anzutreffen ist, war beim 904-Debüt 1963 eine ganze Menge, und angesichts der gerade einmal 650 Kilogramm Leergewicht dauert es gerade einmal 5,5 Sekunden, bis der Flachmann auf Tempo 100 katapultiert wird.

Wir haben die Zeit nicht gestoppt, aber als Walter Röhrt auf die Rennpiste geht, waren es vermutlich nicht viele Zehntelsekunden mehr, bis Landstraßentempo anliegt. Was macht denn mehr Spaß, moderne, technisch hochgezüchtete Fahrzeuge zu steuern oder die alten Kameraden, Herr Röhrl? „Ein Auto wie der 904 Carrera GTS macht mehr Spaß – das ist einfach ursprünglicher. Das ist noch Autofahren im eigentlichen Sinne des Wortes. Bei den neuen Autos ist mir zuviel Technik an Bord, da wird ja alles abgeregelt.“

Das Lenken eines solchen alten Rennfahrzeugs dürfte für Otto Normalfahrer ziemliche Schwerstarbeit sein, doch Röhrl pilotiert mit ganz wenigen, sanften Lenkbewegungen den fast 50 Jahre alten GTS mit traumwandlerischer Sicherheit durch die engen Kurven.

Und gerät dabei ins Schwärmen: „Das ist Wahnsinn, was Porsche schon vor fast 50 Jahren gebaut hat.“ Da kann man sich nur anschließen – wobei das auch durchaus für die Autos der heutigen Porsche-Generation gilt...

Info Porsche 904 Carrera GTS

Schön und schnell – diese Attribute beschreiben treffend den 904 Carrera GTS, der im November 1963 erstmals präsentiert wurde. Bereits sein Beiname „Carrera GTS“ wies auf seine motorsportlichen Ambitionen hin: der spanische Begriff „Carrera“ heißt „Rennen“, der Zusatz „GTS“ bedeutet „Grand Turismo Sport“

Dank seiner unterschiedlichen Motorisierungsmöglichkeiten, die von vier bis acht Zylinder reichte, war der 904 vielseitig einsetzbar. 106 Einheiten des 904 Carrera GTS wurden mit einem 180 PS starken Vierzylinder-Carrera-Motor ausgestattet, vier Werksrennwagen erhielten einen 210 PS-Sechszylinder und zwei gingen mit dem 240 PS-Achtzylinder an den Start. Die Kraftübertragung übernahm das bewährte Porsche-Fünfgang-Synchrongetriebe, für das den Kunden vier verschiedene Getriebeübersetzungen (Nürburgring, Bergrennen, Flugplatzrennen, Le Mans) vorgeschlagen wurden.

Der 904 Carrera GTS war einer vielseitigsten Porsche-Sportwagen und auf fast allen sportlichen Terrains erfolgreich. Nur fünf Monate nach seiner Vorstellung holte der 904 bei der Targa Florio einen Doppel-Gesamtsieg und bewährte sich 1964 und 1965 als Klassensieger bei zahlreichen WM-Langstreckenrennen. Ende 1964 erzielte Porsche mit dem 904 den Weltmeistertitel in der GT-Klasse bis 2000 ccm. In der Berg-Europameisterschaft holte der Porsche 904 zudem den Titelgewinn in der Kategorie Gran Turismo. Zu einem Erfolg wurde auch die Teilnahme des Porsche 904 bei der Rallye Monte Carlo 1965. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse mit viel Eis und Schnee erzielten Eugen Böhringer und Rolf Wütherich einen zweiten Gesamtplatz.

Ab 1966 wurde der Porsche 904 Carrera GTS von der FIA in der Sportwagen-Kategorie eingestuft, wo er gegen seinen Nachfolger, den Porsche 906 Carrera 6, keine Chance mehr hatte. Viele Privatfahrer in den USA und Europa blieben ihren Wagen aber weiterhin treu, so dass der 904 bis in die frühen siebziger Jahre in den Siegerlisten zahlreicher Rennen und Rallyes zu finden ist. Heute ist der Porsche 904 Carrera GTS eines der weltweit begehrtesten Sammlerfahrzeuge.




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