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Windkraft für e-Gas
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Autor: Ulrich Hanser 30. Mai 2011 20:13 Uhr

Jetzt will Audi Erdgas selbst produzieren: Ab 2013 kommen die ersten e-Gas Modelle

Windkraft für e-Gas

Neckarsulm.

Audi sucht bei umweltfreundlichen Antrieben nach Alternativen. Während in Neckarsulm weiter am Elektroantrieb und vor allem an der Batteriekapazität gefeilt wird, wurde in Hamburg erstmalig öffentlich ein Audi A3 mit dem in Eigenregie erzeugten e-Gas vorgestellt.

 
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Noch versteckt Audi die Details des Batteriepacks, hier beim Einschub ins Heck des Audi R8 e-tron . Foto: Audi
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Bei dieser Energiequelle greifen die Ingolstädter selbst in die Kraftstoffproduktion ein. Die VW-Tochter beteiligt sich am Bau von vier Offshore-Windrädern in der Nordsee. Schon ab 2013 sollen die ersten mit e-Gas angetriebenen Audi A3 TCNG auf die Straße. Audi will die Wartezeit auf leistungsstärkere Batterien für reinen Elektroantrieb überbrücken.

Ab Mitte dieses Jahres soll mit dem Neubau der Werlter e-Gas-Anlage begonnen werden, in die Audi einen zweistelligen Millionenbetrag investieren will. Partner sind die Stuttgarter SolarFuel GmbH, das Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung (ZSW) ebenfalls in Stuttgart, das in Kassel ansässige Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, die EWE Energie Oldenburg AG.

Der Nordsee-Wind ist Ausgangspunkt für das e-Gas-Projekt, somit wird Strom regenerativ erzeugt. Die Windenergie wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Umwandlung des Windstroms in e-Gas erfolgt im emsländischen Werlte, wo Audi mit dem Oldenburger Energieversorger EWE die weltweit erste Großanlage zur Herstellung von synthetischem Erdgas betreiben will. Dass die Umwandlung klappen kann, wurde in Hamburg mit einer mobilen Testanlage bewiesen.

Methan ist Hauptbestandteil des natürlichen Erdgases, kann aber auch künstlich erzeugt werden. Die mit Windstrom betriebene Elektrolyse-Anlage spaltet Wasser in Sauer- und Wasserstoff. Letzterer reagiert in einer Methanisierungsanlage mit Kohlendioxid. Ergebnis: künstliches e-Gas. Sollte Audi mit dieser Alternative Erfolg haben, könnte steigende Nachfrage nach e-Gas die klimafreundliche Langstreckenmobilität fördern.

Das übergreifende Ziel der Ingolstädter ist die „CO2-neutrale Mobilität“, sagt Audi-Sprecher Toni Melfi. Und der smarte Audi-Chef Rupert Stadler will bei der Mobilität konsequent „ganzheitlich denken“. Ein mit Nordsee-Strom betriebener Audi A1 e-tron könnte 300 Kilometer weit CO2-frei fahren, wofür sich ein Windrad nur eine Minute kräftig drehen muss.

Beeindruckt zeigt sich der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker, der das Vorhaben von Audi ausdrücklich begrüßt: „Ich wünsche mir eine umweltfreundliche, nachhaltige Mobilität. Dazu passen das e-Gas Projekt und seine praxisnahe Umsetzung.“

Mittelfristig kann die deutsche Energiewirtschaft vom Konzept des Audi-e-Gas-Projektes nur profitieren. Hier könnte sich eine Antwort ergeben auf die noch offene Frage, wie sich Ökostrom effizient und ortsunabhängig speichern lässt. Kommt der Nordseewind mächtig zur Sache, lassen sich Strom-Überkapazitäten in e-Gas umwandeln. Dieser künstlich erzeugte Treibstoff könnte im größten verfügbaren Energiespeicher, dem öffentlichen Gasnetz, gespeichert werden. Fortan lässt sich die Energie, wenn erforderlich, jederzeit ins Stromnetz zurückführen.

Derweil gerät in einer kleinen Entwicklungsmanufaktur in Heilbronner Stadtteil Biberach die Serienfertigung des ersten rein elektrisch angetriebenen Audi schon mal in Sichtweite. Am rassigen Sportler R8 e-tron werkeln 20 speziell für die Arbeit an Hochvoltfahrzeugen geschulte Mitarbeiter, fertigen die ersten Prototypen. Zwar durften wir einen Blick in die „Zauberwerkstatt“ werfen, doch bei Details des gewaltigen Batterieblocks hält sich Audi noch bedeckt.

Bislang war bei solchen Autos der bärenstarke Motor das größte Bauteil. Beim R8 e-tron dominiert mit weitem Abstand das Volumen der 550 Kilo schweren Batterie. Natürlich wird auch der R8 im extremen Leichtbau gefertigt. Nur so lässt sich die bärenstarke Leistung des E-Antriebes umsetzen, aber auch die Reichweite des Autos vergrößern. Natürlich ist der R8 e-tron für Audi ein Prestigeobjekt. In Biberach werden aber auch Erfahrungen gewonnen, die für eine spätere Großserienfertigung mit Elektroantrieben wertvoll sein werden.

Wie Ernst es Audi meint auf dem Weg zur CO2-neutralen Mobilität, lässt sich auch an dieser Zahl erkennen: Bis 2015 will Audi an deutschen Standorten fünf Milliarden Euro investieren. Ein Großteil davon soll in die Entwicklung von Elektro-, e-Gas- und Hybridantrieben fließen.

Den knallroten Audi R8 e-tron im Blick wird deutlich, welchen Weg Audi allein im rasant wachsenden Werk Neckarsulm bisher bewältigt hat: In 125 Jahren von der Strickmaschine übers Fahrrad, den NSU Prinz bis heute A4, A5, A6, A7, A8 und den starken Sportlern aus der Audi Quattro GmbH.

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