Aus Freude am Fahrerlebnisschalter: Den BMW 6er gibt’s bald auch als Coupé
München. Der macht auch geschlossen eine gute Figur: Nach dem 6er Cabrio bringt BMW im Oktober die geschlossene Variante zu den Händlern und auf die Straße. Und auch als Coupé erfüllt der 6er – man möchte hinzufügen: natürlich – alle Anforderungen, die man an einen Traumwagen stellt.
In unserem Geschmackskosmos ist es zumeist so, dass wir offene Varianten schöner finden als die geschlossenen Geschwister. Nachdem wir jetzt 6er Cabrio und 6er Coupé allerdings so dicht nebeneinander haben stehen sehen, sind wir doch nachdenklich geworden. Beide sind eine Optik-Gala, ein Fest für die Sinne. Der Terminus „Hingucker“ ist da schon zu wenig: ästhetisch, lang gezogene Linien, kraftvoll und elegant zugleich. Hat man den Sechser vor sich fahren, fällt die satte Straßenlage auf. Unheimlich breit, nach oben stark verjüngend – die Designer sprechen von einem „pyramidalen Aufbau“.
Nicht nur deswegen setzt der neuste Münchner Streich Emotionen frei. Wer ihn sieht, will ihn haben. Dürfte allerdings für die meisten beim „Wollen“ bleiben: 74700 Euro sind mindestens zu berappen für die Version, um die es hier folgend gehen wird: Die Einstiegsvariante 640i wird von einem Sechszylinder mit 320 PS angetrieben. Für die Statistik: Es gibt noch 650i (Achtzylinder, 407 PS, 85700 Euro), wahlweise mit Allradantrieb (89100 Euro) sowie einen 313 PS starken Diesel-Sechszylinder (78200 Euro).
Es dürfte nur die wenigsten verwundern, wenn als vorweggenommenes Fazit im Fahrtenbuch steht: Der V6-Benziner bietet ausreichend Kraft, in jeder Lebenslage, in jeder Fahrstufe, in jeder Fahrerlebnisstufe. In – in was? Fahrerlebnisstufe. Serienmäßig im Sechser ist nämlich der „Fahrerlebnisschalter“, mit dem der Pilot seinen Sechser in den Fahrstufen Sport+ (Achtung: eingeschränkte Fahrassistenz – hier zuckt dank ausgeschaltetem ESP schon mal das Heck!), Sport, Comfort und Eco Pro individuell an die jeweilige Situation anpassen kann.
So empfiehlt sich für die herzhafte Tour über verschlängelte Bergpässe – einen magenunempfindlichen Beifahrer vorausgesetzt – die Variante Sport; die gemütliche Schlenderfahrt wird im Comfort-Modus zum besonderen Genuss. Und wenn den Besitzer eines 320 PS starken Luxuscoupés einmal das grüne Gewissen plagen sollte – oder ganz viel Zeit da ist – dann wird der Eco-Pro-Modus gewählt. Das ist, neben der im 640i serienmäßigen Start-Stopp-Automatik, Teil der Efficient-Dynamics-Strategie, also des effizienteren Fahrens (7,6 Liter auf 100 Kilometer) bei mithin immer noch hoher Leistung.
Wo bei Honda grüne Bäume im Display sprießen, wenn im Hybridmodell besonders zurückhaltend gefahren wird, werden im BMW 6er virtuelle Kilometer gezählt, die der Fahrer dank seiner umsichtigen Fahrweise zusätzlich zurücklegen kann. Auch eine Art, sich zu belohnen: Bist du brav, darfst du mehr fahren.
Und natürlich ist bei aller hübsch anzuschauenden Eleganz und Ästhetik, bei allem Spaß, den es macht, den 6er im Stand anzuschauen, die vorrangige Behandlung eines BMW 6ers die rollende. Nein, er ist kein Sportwagen im eigentlichen Sinne. Dafür ist er dann doch eine Spur zu schwer, zu wenig harsch und ungehobelt. Aber er ist ein luxuriöses Reisecoupé, das auch einer sportlichen Gangart nicht abgeneigt ist. Im Sportmodus, wenn die Lenkung vom Fahrer mehr Kraft abverlangt und die Leistung ungefiltert auf den Teer gestemmt wird, dann schielt das 6er Coupé in Richtung Sportwagen. Dennoch wird der 6er nicht von Rasern gekauft, sondern vielmehr von Genießern. Zurücklehnen, Tempomat auf 120, die Stille an Bord bei dieser Geschwindigkeit bewusst wahrnehmen – so wird der 640i bewegt.
Dass im Interieur feinstes Leder und Holz verarbeitet sind, dass unter der hübschen Haube modernste Technik verkabelt ist – beispielsweise: Head-up-Display (Option), Acht-Gang-Automatik (Serie), LED-Scheinwerfer (Option), zahllose Assistenzsysteme –, dass der Kofferraum mit 460 Litern drei üppigen Golfbags Platz bietet, all das nimmt man in dieser Preisklasse eher beiläufig zur Kenntnis. Aber den Fahrerlebnisschalter – den gibt’s nur hier im Sechser.
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