Romanze ohne Happy End
Osnabrück. Hollywood-Liebesromanzen folgen einem immer gleichen, einfachen Strickmuster: Leichte Kost, vorhersehbare Handlung, und am Ende gibt’s ein Happy End. Ähnlich wie eine handelsübliche Lovestory fühlte sich unser Test mit einem Audi A7 an. Nur leider ohne Happy End.
Der A7 ist imposant, kombiniert das stattliche Erscheinungsbild einer Luxus-Limousine mit den fließenden Linien eines Coupés sowie dezenten Anleihen bei einem Kombi. Mehr Platz wird man vermutlich in keinem anderen Luxus-Fahrzeug finden.
Dass sich die Passagiere auf den vorderen Plätzen mehr als üppig bewegen können, mag niemanden überraschen; auch im Fond sitzt es sich für zwei Erwachsene kommod. Die größte Überraschung tut sich allerdings ganz hinten auf, wo eine große Fließheck-Kofferraumklappe den Blick freigibt auf einen langen Stauraum, der mit 535 Litern mehr als die sonst üblichen diversen Golfbags schluckt. Wenn die Rücksitze umgelegt werden, passen 1390 Liter hinein. So könnte der A7 zum Lastenesel werden. Angesichts des mit feinen Teppichen ausgeschlagenen Heckabteils wird aber niemand auf die Idee kommen, Brennholz oder Farbeimer zu transportieren.
In puncto Technik bietet der A7 Raum zum Austoben. Freilich für denjenigen, der bereit ist, auf der Aufpreisliste fleißig Häkchen zu setzen. Das Navigationssystem kann per Touchpad-Fingermalerei bedient werden, Google Earth füttert das Navi mit Bildern, ein WLAN-Hotspot bindet mobile Geräte ins Geschehen ein, der Nachtsichtassistent erkennt Fußgänger im Dunkeln, selbst wenn diese wie Schornsteinfeger gekleidet sind.
Auch wenn das Design die Nähe zu einem Coupé dokumentiert, fährt sich der A7 wie eine Luxus-Limousine. Der 245 PS starke Drei-Liter-V6-Diesel ist kultiviert wie Hollywood-Legende David Niven, kraftvoll wie Sylvester Stallone in „Rocky“ und fast so sparsam wie die Mimik von Til Schweiger (inklusive Start-Stopp – beim Auto, nicht beim Schweiger).
Die 1950 Euro teure Luftfederung bügelt bei höheren Geschwindigkeiten fast alles aus, was sich auf der Straße von einer glatten Oberfläche abhebt. Doch in der Stadt poltert der A7 hin und wieder wie Klaus Kinski bei einem Tobsuchtsanfall. Frech: Im Serienzustand kommt der A7 so leicht bekleidet daher wie so manche Hollywoodschönheit zu Beginn ihrer Karriere.
Jetzt wird’s Zeit für das Happy End, erst recht, wenn das Heck des Autos schon für sich genommen ein Happy End ist. Doch leider weit gefehlt: Der Einstiegspreis von 58100 Euro für den Top-Diesel ist kein Schnäppchen, aber auch nicht unverschämt. Doch wenn beim Durchwühlen der Optionsliste ein paar an und für sich selbstverständliche Häkchen gesetzt werden, sprengt dies das Budget wie Roland Emmerich beim Dreh eines neuen Katastrophenfilms. Bei unserem Test-A7 folgten auf die 58100 Euro der Basisausstattung 30 kostenpflichtige Extrapositionen. Unter dem Strich: 92495,02 Euro. Nein, kein Happy End. Aber das Leben ist eben kein Hollywood-Liebesfilm...
Mehr Audi









