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Doppelter Hup-Raum
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Autor: Lothar Hausfeld 18. Juli 2011 18:48 Uhr

Opel endlich mal wieder Vorreiter

Doppelter Hup-Raum

Rüsselsheim. Opel. Einst eine stolze Marke. Nach beispiellosem Kaputtsparen und Geschmacksverirrungen zum Spielball der maladen Mutter General Motors geworden. Fast am Boden – doch dank Insignia, Astra und Meriva spektakulär gewendet. Und wie geht’s weiter? Mit dem Ampera. Und mit dem ist den Opelanern ein großer Wurf gelungen. Endlich ist die Marke mit dem Blitz wieder Vorreiter für eine neue Technik.

 
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Elektroautos kündigen viele an. Citroën, Peugeot und Mitsubishi haben kleine Stückzahlen von elektrischen Kleinwagen an den Start gerollt. Doch der Ampera ist anders. Zunächst einmal: Er sieht toll aus. Man sieht ihm an, dass er die Zukunft in die Gegenwart transportieren soll. Kraftvoll? Ja. Dynamisch? Ja. Anziehend? Ja. Ja. Ja. Aber nicht überzeichnet, nicht grotesk. Der Ampera ist kein Science-Fiction-Auto. Sondern Realität.

4,50 Meter ist die Limousine lang. In etwa wie ein BMW Dreier. Das bedeutet: Innen ist genügend Platz für vier Personen. Das ist schon der erste Unterschied zu i-MiEV, C-Zero und iOn: Die kleinen Elektro-Wägelchen sind kaum mehr als 2+2-Sitzer.

Der nächste Unterschied: Während das elektrische Kleinwagen-Trio innen eher, sagen wir es mal mit Zurückhaltung, nüchtern gestaltet ist, ist der Ampera richtig einladend. Nicht nur von den Platzverhältnissen, sondern auch durch sein Ambiente, das eine Stimmung zwischen Cockpit und Lounge versprüht. Zahlreiche Anzeigen, die den Fahrer über Energiefluss, Verbrauch, Effizienz und vieles (viiiiiiieles!) mehr informieren, wecken den Spieltrieb im Manne. Das bislang einmalige Bediensystem für Navi, Klima und Multimedia ist ein weiterer Hingucker. Oder, besser gesagt: Hinfühler. Denn die Bedienung erfolgt nicht über profane Tasten, sondern durch berührungssensitive Felder, ähnlich wie auf einem Touchscreen. Nur ohne Screen.

So, jetzt aber genug der Theorie, der Ampera wartet darauf, seine Fähigkeiten auf der Straße zu demonstrieren. Wir drücken den Startknopf und hören natürlich – nichts. Logisch, ein Elektromotor muckt nicht auf – leise surrend, fahren wir an. Und zwar nicht bedächtig, wie man das bei einem Sparmobil vielleicht vermuten würde. Sondern zügig. Mit Nachdruck schieben 370 Newtonmeter den knapp 1700 Kilo schweren Ampera an. 9 Sekunden braucht er, um auf der Landstraße das maximal Erlaubte zu erreichen. Ohne jede Schaltverzögerung: Dem Elektromotor reicht ein Gang.

Bis rund 30 Stundenkilometer hält die Stille an Bord an. So lange brauchen Wind- und Abrollgeräusche, bis sie die Oberhand gewinnen. Ab dann hört sich auch ein Elektroauto an wie ein normales Auto mit Verbrennungsmotor. Damit sich Fußgänger oder Fahrradfahrer nicht erschrecken, wenn der Ampera auf leisen Pfoten heranschleicht, haben die Entwickler ihm ein kleines Gimmick mit auf den Weg gegeben: eine zweite Hupe. Am Blinkerhebel befindet sich ein Knopf, mit dem man einen zweiten, freundlicheren Hupton erschallen lässt – so werden Fußgänger etwas sanfter darauf hingewiesen, dass ein stiller Straßenteilhaber ihnen auf den Fersen ist. Doppelter Hup-Raum, der durchaus Sinn macht.

Ein wesentliches Problem der Elektroautos ist bislang ihre sehr eingeschränkte Reichweite. Auch wenn die Experten immer wieder betonen, dass die allermeisten Europäer tagtäglich nicht mehr als 60 Kilometer fahren, bleibt in den Köpfen der Menschen die Angst verwurzelt, mit einem Elektroauto wegen leergefahrener Batterie liegen zu bleiben. Diese Angst muss man in einem Opel Ampera nicht haben: Er schafft mit Elektromotor und einem Benziner als Reichweitenverlängerer (Range Extender) rund 500 Kilometer am Stück.

Der 150 PS starke E-Hauptantriebsmotor wird von einer Hochleistungsbatterie gefüttert. Die mehr als 280 Lithium-Ionen-Zellen der Batterie liefern den „Saft“ für eine Strecke von 40 bis 80 Kilometern – je nachdem, wie effizient man fährt, welche klimatischen Bedingungen herrschen, wie viele Verbraucher eingeschaltet sind. Unterstützt wird der Hauptmotor je nach Fahrsituation von einem 72 PS starken E-Generator, der vor allen Dingen bei höheren Geschwindigkeiten – maximal sind 161 km/h möglich – mit anpackt.

Ist die Batterie leer, kommt ein 1,4 Liter großer Benzinmotor mit 86 PS ins Spiel. Dieser hält allerdings zu keiner Zeit selbst die Antriebsräder in Schwung, sondern speist den elektrischen Generator, der wiederum den Hauptantriebsmotor mit Energie versorgt. Das komplexe System funktionierte bei unseren Testfahren ausgesprochen problemlos: Rund 70 Kilometer fuhren wir am Stück, ohne einen einzigen Tropfen Benzin verbraucht zu haben. Erst danach schaltete sich der Verbrennungsmotor ein.

Rein rechnerisch ergibt sich ein Durchschnittsverbrauch von 1,6 Liter Benzin je 100 Kilometer (CO2: 40 g/km). Wer täglich um die 50 Kilometer am Stück fährt und die Batterie anschließend wieder auflädt, kann viele 1000 Kilometer lautlos rollen, ohne den Benzintank anzapfen zu müssen. Und ohne lokal CO2 auszustoßen. Geladen wird die Batterie an einer handelsüblichen Steckdose; maximal vier Stunden dauert der Ladevorgang.

Bestellbar ist der Opel Ampera bereits, die ersten Exemplare werden noch dieses Jahr ausgeliefert. Die Vorbestellungen haben die Rüsselsheimer so positiv überrascht, dass die Absatzerwartungen für 2012 bereits nach oben korrigiert werden mussten. Zum Start gibt’s hierzulande erst einmal das nahezu voll ausgestattete Editionsmodell „ePionier“ für 48200 Euro; anschließend ist dann auch die ordentlich bestückte Serienversion für 42900 Euro erhältlich.

Wir könnten noch stundenlang weiterreden und schreiben über dieses Auto. Dass der Ampera kein Verzichtauto ist, sondern ein vollwertiges Fahrzeug mit tollem Design und hohem Spaßpotenzial. Dass die zahlreichen Grafiken, Statistiken und Displays den Fahrer animieren, immer weitere Strecken rein elektrisch zu schaffen. Dass das Fahren mit Strom in jedem Fall günstiger als das Fahren mit Benzin ist und je nach Art der Stromgewinnung auch umweltfreundlicher. Dass Opel trotz der neuen Technik selbstbewusst genug ist und eine achtjährige Garantie auf die E-Technik gibt – neben der obligatorischen „lebenslangen“ Garantie auf das Fahrzeug. Aber am besten ist es einfach: Sie setzen sich in dieses Fahrzeug und fahren es selbst. Und staunen. Opel ist endlich wieder einmal Vorreiter.

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