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Das doppelte Flottchen
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Autor: Lothar Hausfeld 12. August 2011 11:19 Uhr

BMW legt seinen kompakten Einser neu auf – Erstmals zwei Ausstattungslinien

Das doppelte Flottchen

München. Man muss sich das mal vorstellen: Da bringt ein Hersteller einen Kompaktwagen auf den Markt, der als „Hängebauchschwein“ verspottet wird, der hinten viel zu wenig Platz bietet, extrem hart abgestimmt ist und preislich zwischen optimistisch und unverschämt schwankt. Und trotzdem wird dieser Kompakte ein veritabler Erfolg. Um wen es geht? Um den BMW Einser, den die Münchner in den nächsten Wochen in der zweiten Generation zu den Händlern rollen.

 
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Links „Sport“, rechts „Urban“: Den neuen Einser von BMW gibt es in zwei verschiedenen Designvarianten, die sich schon von außen unterscheiden. Fotos: BMW Keine „Hängebauchschwein“-Linie mehr an der Seite, dafür Polo- oder Citroën-Anleihen am Heck (gr. Foto); feines Interieur, Eco-Modus zum Spritsparen, Kofferraum öffnet am Logo.
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Man könnte ja jetzt böse sein und fragen, warum es denn überhaupt einer Neuauflage bedarf, wo sich doch schon der erste Einser so prächtig verkaufte.Aber nach fast sieben Jahren ist es nun wirklich an der Zeit, eine Neuauflage auf den Markt zu bringen. Zumal BMW fast alle Kritikpunkte beseitigen konnte. Bis auf den Punkt mit der optimistischen bis unverschämten Preisgestaltung – aber dazu mehr.

Den wenig schmeichelnden Spitznamen „Hängebauchschwein“ gaben Spötter dem Vorgänger, weil er in den Seiten merkwürdig träge Linien zur Schau trug –die sind in der Neuauflage verschwunden. Die Linie in den Türen steigt jetzt schwungvoll nach hinten an, insgesamt wirkt der Einser so, als habe ihn ein Chirurg an einer versteckten Stelle aufgeschnitten und die gesamte Haut gezogen und gespannt. Mehr Muskeln, sportlicherer Auftritt, frischerer Eindruck – der Einser gefällt, auch wenn die Heckpartie schon die verschiedensten Assoziationen geweckt hat. Uns erinnert das Heck irgendwie an den VW Polo.

Apropos Heck: Dort passen jetzt 360 Liter hinein, immerhin 30 Liter mehr als im ersten Einser. Und auch die Passagiere, die auf den hinteren Plätzen hocken, müssen nun nicht mehr permanent die Luft anhalten und beten, dass der Vordermann den Sitz nicht noch weiter zurückschiebt.Richtig bequem geht es hinten immer noch nicht zu, aber es ist aushaltbar.

Vorne herrscht die bekannte sportliche Enge, die man diesem sportlich ausgelegtem Kompaktwagen aber nicht übel nehmen kann. Die Instrumentierung ist BMW-typisch gehalten, an der einen oder anderen Stelle wurde qualitativ, haptisch oder optisch nachgeholfen, sodass der Eindruck des Interieurs jetzt noch hochwertiger ist.

Zum Marktstart gibt’s zwei Benziner (136/170 PS) und drei Dieselmodelle (116, 143 und 184 PS). Gestartet wird stets schlüssellos per Start-Knopf. Der Topdiesel im 120d ist leise in der Geräuschentwicklung, bietet satte 380 Newtonmeter Drehmoment. Er ist aber kein Sprinter, sondern der Cruiser, der bei niedriger Drehzahl friedlich blubbert. Und dabei spart: 4,5 Liter Diesel auf 100 Kilometern sollen drin sein.

Dabei helfen soll der jetzt schon legendäre „Fahrerlebnisschalter“ (siehe Neuvorstellung BMW 6er, Ausgabe vom 9. Juli), der verschiedene Fahrprogramme bietet. Neben der sportlichen Abstimmung wird im Diesel vermutlich am häufigsten „Eco Pro“ gewählt, womit an vielen Stellschrauben im Auto gedreht wird, um mehr Kilometer zu schaffen, ohne tanken zu müssen.

Auch im 118i mit 170 PS waren wir unterwegs, und all denen, die dem Sechszylinder beim Einser nachtrauern, können wir nur mitleidig hinterherwinken. Sechs Zylinder? Braucht kein Mensch in einem Kompaktwagen. Vier Zylinder und „Twin Scroll“-Turboaufladung reichen für jede Menge Fahrspaß. Und vor allen Dingen dank eines Fahrwerks, das mehr kann als der Durchschnittsfahrer je er-fahren will. Stoisch prescht der Hecktriebler durch enge Kurven, an der langen Leine des ESP, das ein Abreiten in den staubigen Straßenrand verhindert. 5,8 Liter Durchschnittsverbrauch im 118i – wer, bitte schön, will da unbedingt noch einen Sechszylinder?

Auf dem Prüfstand liefern die Aggregate übrigens exzellente Verbrauchs- und Emissionswerte: Alle Motoren bleiben beim CO2-Wert unter der magischen 140-Gramm-Grenze. Angesichts der teilweise üppigen Kraft eine reife Ingenieurs-Leistung.

Schön übrigens auch, dass BMW auf die kritischen Stimmen gehört hat und die Abstimmung insgesamt etwas wirbelsäulenverträglicher gestaltet hat. Man kann mit einem Einser immer noch die Kurve sportlicher nehmen als mit anderen kompakten Autos – aber man muss anschließend nicht direkt zum Orthopäden durchstarten.

Hängebauchschwein? Vergessen. Zu wenig Platz? Verbessert. Harte Abstimmung? Weichgeklopft. Bleiben noch –die Preise. Klimaanlage und CD/Radio sind Serie, die Aufpreisliste hält aber jede Menge Nettigkeiten und Unverschämtheiten parat. „Sports Line“ oder „Urban Line“ kosten jeweils 1900 Euro, positionieren den Einser entweder sportlich oder dezent. Zügig unterwegs kann man mit beiden doppelten Flottchen sein. Zum Paket gehören entsprechende Leichtmetallfelgen, Polsterstoffe sowie schwarze (Sport) oder weiße (Urban) Kühlergrillleisten.

Jede Menge Sicherheits- und Komfortfeatures wie Achtgang-Automatik (2150 Euro), Xenon-Licht (940 Euro), Spurverlassenswarner (520 Euro), Tempomat mit Bremsfunktion (460 Euro), großes Navi (2390 Euro) bis hin zu etlichen Multimedia- und Smartphone-Applikationen können geordert werden. Klimaautomatik gibt’s nur im Paket mit Ablagen- und Lichtpaket für 1090 Euro.

Der günstigste Einser (116 i mit 136 PS) kostet stolze 23850 Euro, der vorerst teuerste (120d mit 184 PS) 29250 Euro. Unsere Prognose: Deutlich mehr Einser werden mit einer 3 am Preisanfang ausgeliefert. Denn dass auch der zweite Einser ein Erfolg werden wird – daran haben wir keinen Zweifel.

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