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„Mutig und progressiv“
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Autor: Lothar Hausfeld 05. August 2011 15:03 Uhr

Ein erster Blick in die neue Mercedes-B-Klasse offenbart Überraschendes

„Mutig und progressiv“

Stuttgart. Im November kommt sie auf den Markt, auf der IAA im September feiert sie Weltpremiere – wir durften exklusiv schon einmal einen Blick in die neue B-Klasse von Mercedes-Benz werfen. Mit komplett neuem und frischerem Interieur soll der kompakte Van neue Käuferschichten erschließen.

 
Großer Bildschirm im iPad-Stil, große Lüfterdüsen wie im Sportwagen – das ist die neue B-Klasse von innen. Foto: Daimler  Vergrößern
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Bislang war die Positionierung der B-Klasse klar: hohe Sitzposition, ein Fahrwerk, das keinerlei Kurvenexperimente zuließ, und zurückhaltend dimensionierte Motoren sorgten vor allen Dingen dafür, dass gereifte Menschen einsteigen. Nicht dass Mercedes diese treuen Kunden verjagen möchte, doch ein wenig jünger soll das Publikum schon werden. Dieses hehre Ziel verfolgt so gut wie jeder Autobauer.

So radikal wie Mercedes hat aber bisher kaum ein Hersteller sein Konzept geändert. Zahllose Farben, Oberflächendesigns oder Materialien stehen zur Auswahl, deutlich sportlicher wirken sie nahezu allesamt. Große Luftaustrittdüsen in Sportwagenoptik, Zierteile mit Alu-Lack – die B-Klasse will hipper werden, moderner. Dazu trägt auch ein großer, serienmäßiger Infoscreen bei, der mittig auf dem Armaturenbrett installiert ist. Hier fließen das Navi (wenn vorhanden), Audiosystem oder sämtliche Bedienmenüs zusammen. Der Screen erinnert auf den ersten Blick an das Apple iPad. Anders als in anderen Baureihen verschwindet der Bildschirm nicht, wenn das Fahrzeug ausgestellt wird. Hartmut Sinkwitz, bei Mercedes für das Interieur Design verantwortlich, hat dafür einen einfachen Grund: „Früher hat man im Wohnzimmer den Fernseher in der Schrankwand versteckt. Heute zeigt man seinen Flatscreen sehr gerne, weil er einfach gut aussieht.“

Der Bildschirm ist eine der wenigen wirklich „echten“ Neuheiten im Cockpit der B-Klasse. Viele Bedienelemente, Schalter und Hebel kennt man, allerdings vor allen Dingen aus den großen Limousinen, SUV oder Sportwagen. Für Sinkwitz ist das nur logisch: „Die Zeiten des konservativen Designs bei Mercedes-Benz sind vorbei. Mutig, progressiv, emotional – das sind die Kernwerte.“

Der Aufwand, der im Daimler-Konzern vor dem Start einer neuen Modellreihe betrieben wird, ist immens. Selbst psychologisch geschulte Mitarbeiter kümmern sich im Vorfeld um viele Details. Wie Dr. Götz Renner, der das Human Research Center leitet. Dort werden in einer ganz frühen Phase der Entwicklung Kunden nach Sindelfingen eingeladen, um unter psychologischen Gesichtspunkten das Innenleben eines Autos zu bewerten.

Das nennen sie bei Mercedes Interieurwahrnehmung. Die verschiedenen Aussagen der Probanden ergeben am Ende einer Testphase ein Bild, das per Koordinatensystem die exakte Positionierung des Fahrzeugcockpits auf den Achsen minderwertig/hochwertig, zweckmäßig/innovativ und konservativ/progressiv möglich macht.

Dabei wachen Renner und seine Kollegen mit Argusaugen über die Kundenbewertungen. Und natürlich darüber, wie die „Wahrnehmung mit allen Sinnen“ am Ende von den Designern tatsächlich umgesetzt wird. „Es sind viele grundlegende Dinge zu klären wie Ergonomie, Alltagstauglichkeit oder Sicherheit“, so Renner. „Allerdings gehören auch überraschende Dinge dazu. Innovatives Design beispielsweise oder tolle Optik.“ Am Ende müssen alle Anforderungen in Balance gebracht werden: Wird zu sehr auf grundlegende Dinge geachtet, kann das Interieur langweilig wirken. Geht das Pendel in die andere Richtung, stellt die Bedienung den Benutzer möglicherweise vor nicht lösbare Rätsel. Beides ist nicht gewünscht. „Design muss herausfordern, aber auch an Erfahrung andocken“, bringt es der Psychologe auf den Punkt.

Bis ein Cockpit den Status „optimal“ erreicht – je nach Fahrzeugtyp ist dieser Status im Koordinatensystem höchst unterschiedlich positioniert –, wird über jedes noch so kleine Detail diskutiert. Dass die B-Klasse die Erwartungen erfüllt, davon sind sie natürlich alle überzeugt. Sinkwitz: „Wir bieten Interieurlinien für jeden Geschmack an, sowohl eine eher emotional geprägte Ausführung für jüngere Kunden als auch eine hochwertigere, luxuriöse Variante für die älteren Fahrer.“ Auf die will man eben doch nicht verzichten.

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