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Steppenwolf und Klapperschlange
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Autor: Lothar Hausfeld 02. September 2011 21:50 Uhr

Gefahren: Rewaco RF1 GT

Steppenwolf und Klapperschlange

Osnabrück. Es gibt Autos. Es gibt Motorräder. So weit, so klar. Und es gibt Mischlinge aus beiden Welten. Beispielsweise aus dem Hause Rewaco. Das Unternehmen aus dem Oberbergischen Land baut seit 20 Jahren PS-starke Trikes – das Spitzenmodell namens RF1 GT bringt es auf satte 185 PS.

 
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Imposanter Anblick: Die Rewaco RF1 GT vor dem Varusschlacht-Museum in Kalkriese – mit solch einem Streitwagen ausgerüstet, hätten die Römer seinerzeit hier vermutlich die Germanen besiegt. Fotos: Hausfeld
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Wer erstmals auf so einem imposanten Dreirad sitzt, dem kommt unweigerlich der Gedanke an „Born to be wild“, der unsterblichen Biker-Hymne von Steppenwolf. Auf der weiträumigen Lenkergabel breitet der Fahrer die Arme aus wie ein Adler seine Schwingen – mächtiger und lässiger geht es wohl kaum. Und, kennen Sie noch den Text zu „Born to be wild“? Haben Sie noch die Bilder vor Augen, wenn Dennis Hopper in „Easy Rider“ die Route 66 entlangbrettert?

Get your motor running,

head out on the highway

Also, nehmen wir Platz auf dem vorderen der beiden Plätze. Einen Gurt gibt’s nicht – na gut, den gibt’s auf herkömmlichen Motorrädern ja auch nicht. Ein Rewaco-Trike darf übrigens auch der fahren, der lediglich einen normalen Auto-Führerschein hat, Motorrad-Führerschein ist nicht erforderlich. Der etwas zu kleine Schlüssel wird in das Zündschloss gesteckt und gedreht, der Anlasser betätigt, und der 185-PS-Vierzylinder, der von Ford eingekauft wird, springt satt und brabbelnd an.

Kurzer Check der beiden Rückspiegel, Schulterblick rechts und links – mein lieber Schwan, ist das Heck breit! – und vorsichtig losgerollt. Die hinteren Gummis tragen die Maße 300/30 ZR 19 – ganz schöne Schlappen. Nein, es geht nicht gleich auf den Highway, sondern erst einmal über wenig befahrene Seitenstraßen.

Mit diesen Abmessungen – 3,55 Meter lang und fast schon obszöne 1,88 Meter breit – muss man erst einmal klarkommen. Entsprechend riesig ist auch der Wendekreis. Bitte bedenken, bevor man vor Freunden oder der Ehefrau Manöver beginnt, die lässig wirken sollen, dann beim vierten Vor- und Zurücksetzen aber doch die schamrote Gesichtsfarbe durch den Helm hindurch- schimmern lassen.

Erfreulicherweise funktioniert das Zusammenspiel von Gaszug, Bremse, Kupplung und Getriebe einfach – vermutlich für Nicht-Biker sogar einfacher. Gekuppelt wird mit dem linken Fuß, geschaltet mit der linken Hand, die Bremse wird vom rechten Fuß gesteuert, und die rechte Hand dreht am Gashahn. Läuft.

Looking for adventure,

in whatever comes our way

Klar, mit solch einem Geschoss fällt man auf. Und dann noch in osterkükengelb! Klar, dass da die Menschen die Hälse verdrehen wie Eulen. Wer will, kommt mit anderen schnell ins Gespräch – unabhängig von Geschlecht, Alter, Fahrzeug. Und wer will, hat ja auch einen zweiten Platz zur freien Verfügung. Da könnte das Abenteuer tatsächlich beginnen. Und ein kleines Plätzchen für das leichte Wochenendgepäck findet sich auch im Kofferraum. Allerdings: Der Stauraum liegt direkt hinter dem Motor, und der absorbiert derart viel Hitze, dass es sich nicht empfiehlt, die Sahnetorte für Schwiegermutters Geburtstag hier zu transportieren. Das wäre vermutlich eher ein unerfreuliches Abenteuer.

I like smoke & lightning,

heavy metal thunder

Rauch und Blitz? Zum Glück nicht im wahrsten Wortsinne, aber der „heavy metal thunder“, der aus der doppelflutigen Anlage dröhnt, geht unter die Haut. Beim Beschleunigen voluminös und kernig, im Schubbetrieb mit herrlichen Fehlzündungen, beim lässigen Immer-wieder-mal-am-Gashahn-drehen züngelt es hinten, als wenn eine Klapperschlange dem Feind ins Auge blickt. Volles Programm.

Racing with the wind, and the feeling that I’m under

Nullhundert schafft das Kraftpaket in 4,8 Sekunden, wer ganz hart im Nehmen ist, katapultiert sich und die RF1 GT auf 200 Stundenkilometer. Ganz ehrlich: Tempo 130 hat vollkommen gereicht. Wer es nicht gewohnt ist, dass der Wind an den Klamotten, am ganzen Körper rüttelt und schüttelt und zerrt, der liebt es eher, ganz gemächlich mit 90, 100 Sachen über die Landstraße zu knattern. Dann muss man auch nicht die Straße nach Schlaglöchern oder Teerhügeln abscannen. Denn nur bei hohem Tempo haut die Federung humorlose Grüße auf den Lenker, ansonsten geht Fahren sogar mit einigermaßen sozialverträglichem Komfort einher.

Yeah darling gonna make

it happen, take the world in a love embrace; fire all

of your guns at once and

explode into space

Die augenzwinkernde Schlüpfrigkeit von Rocksongs ist natürlich bei einem nüchternen Testbericht eher fehl am Platze. Trotzdem kommt uns angesichts dieser Zeilen in den Sinn, dass die Schaltvorgänge ein wenig, nun, sagen wir, bizarr aussehen mögen. Der Schaltknüppel sitzt mittig zwischen den Beinen, und der Fahrer muss immer wieder kräftig am Knüppel rühren, um die richtige Schaltgasse zu finden.

Aus Komfortgründen – und vielleicht auch für die Außendarstellung – wäre ein automatisiertes Getriebe wohl die bessere Alternative. Glücklicherweise sind die fünf Gänge weit gespreizt. Tempo 110 im dritten Gang oder 80 im fünften – alles machbar, sodass man schaltfaul vorankommt. Bei Tempo 120 die linke Hand im flatternden Wind von der Lenkgabel zu nehmen ist nicht immer ein angenehmes Gefühl. Die rechte Hand muss natürlich am Gas bleiben.

Like a true nature’s child

we were born, born to be

wild, we can climb so

high, I never wanna die,

born to be wild.

Ja, ein nahezu unbeschreibliches Hochgefühl macht sich tatsächlich breit, wenn man mit weit ausgebreiteten Armen und ausgestreckten Beinen mit 80 Sachen über die Landstraßen der Region cruist. Cool. Lässig. Unantastbar.

Apropos niemals sterben: Wenn wir uns den Traum einer Rewaco erfüllen wollten, dürfte der Tod in der Tat nicht allzu schnell eintreten. Nicht nur, weil die RF1 GT so unverschämt viel Spaß macht, sondern aus ganz profanen und materiellen Dingen. Das gefahrene Modell kostet nicht weniger als 31920 Euro. Da bräuchte man schon einen ganz, ganz, ganz lange laufenden Ratenkredit, um das nebenbei abbezahlen zu können.

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