Gefahren:Porsche Cayenne Diesel
Osnabrück. Der Aufschrei, als Porsche im mächtigen Cayenne erstmals einen Dieselmotor nageln ließ, ist schon lange vergessen. Heutzutage ist der Selbstzünder im großen SUV akzeptiert. In Deutschland greift mittlerweile mehr als die Hälfte aller Cayenne-Kunden zum Diesel-Zapfhahn. Wir haben den Test gemacht.
Optisch bekennt sich das opulent dimensionierte SUV zu den Porsche-Sportwagen-Genen. Was an der Front noch gelingt und gefällt, gerät am Heck allerdings zum automobilen Einheitsbrei. Von hinten betrachtet, könnte der Cayenne auch ein beliebiger Hochbeiner aus Frankreich oder Korea sein.
Wer dann allerdings den Innenraum erklimmt, der realisiert sofort, wo er sich befindet. Und das liegt nicht nur am Porsche-Logo auf dem Lenkrad, sondern an der unvergleichlichen Atmosphäre. Dicke Teppiche, feines Leder und viel Chrom laden die Finger zum Streicheln und das Auge zum Genießen ein.
Fünf Personen – die dabei allesamt dem schulpflichtigen Alter entwachsen sein können – reisen im Cayenne bequem; die zweite Sitzreihe kann verschoben werden, je nachdem, ob lange Beine oder langes Ladegut dahinter verstaut werden soll. Zwischen Fahrer und Beifahrer ist so viel Platz, dass eine wuchtige Mittelkonsole im Stile einer Pilotenkanzel verbaut wurde. Darauf befinden sich gefühlte 150 Schalter und Tasten, die von der Sitzheizung über die Klimaanlage bis zur Fahrwerksabstimmung alles fein dosiert regulieren. Wohlfühlen ist hier stufenlos regulierbar.
In den Kofferraum passen – wenn die Rücksitzbank ein wenig nach vorne geschoben wird – auch sperrige Gegenstände; die nackte Zahl von 670 Liter Ladevolumen klingt durchaus beeindruckend. So richtig ins Staunen gerät man aber erst, wenn man unter dem Ladeboden in einem Versteckfach einen halben Hausstand unterbringen kann. 760 Kilogramm dürfen mitgeschleppt werden, der in Cayenne-Kreisen nicht unübliche Pferdeanhänger darf immerhin 3,5 Tonnen auf die Waage bringen.
218 km/h Spitze und 7,8 Sekunden bis Tempo 100 sind nicht unbedingt Porsche-Referenzwerte, dafür nimmt man an Bord dieses Fahrzeugs seine Umwelt deutlich gelassener wahr. Zurücklehnen, Tempomat auf 120 km/h – und laufen lassen. Dann kommt man dem angegebenen Verbrauch von 7,2 Litern auf 100 Kilometer bis auf gut einen Liter nahe. Wer es lieber zügiger mag, muss zumindest keinen Hörsturz befürchten; auch bei Autobahntempo säuselt der Sechszylinder, bleiben die Ohren der Insassen vom allermeisten der Geräuschentwicklung verschont.
Die Kofferraumabdeckung ist ein wenig fummelig zu bedienen. Die Acht-Gang-Tiptronic schickt zwar im Leerlauf an der Ampel den Motor in den Stillstand, ist bei niedrigem Tempo aber manchmal ein wenig unsensibel bei der Wahl des richtigen Ganges.
Gut 60000 Euro kostet ein Cayenne Diesel mindestens; dem Porsche-Kunden wird auf 136 Aufpreislistenseiten Gelegenheit gegeben, Extras auszuwählen – wer die Wahl hat, hat die Qual. Wie gut, dass wenigstens das Fahren im Cayenne Diesel so entspannend ist.
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