Gefahren: Porsche Cayman R – Leicht und laut
Osnabrück. Wenn bei Porsche-Modellen der Buchstabe „R“ ins Spiel kommt, wird es besonders rasant. Wir waren im stärksten Vertreter der Einstiegs-Baureihe unterwegs – dem Cayman R.
Das Erscheinungsbild des starken Sechszylinders ist nicht eben dezent: Porsche-Schriftzüge an den Türen, gewaltiger Spoiler am Heck – ein wenig krawallig kommt der Cayman R schon rüber. Zumindest so auffällig, dass sich während unserer Testfahrten immer wieder Hälse verrenkten.
Das kann aber auch am Auspuffkonzert gelegen haben, das der Cayman insbesondere im Drehzahlbereich zwischen 2500 und 3500 Umdrehungen gibt. Dann flutet ein raumgreifendes Donnergrollen die gesamte Umgebung des Fahrzeugs, stellt die Armbehaarung des Fahrers senkrecht.
Ein paar PS mehr im Vergleich zum Standard-Cayman kitzeln die Ingenieure aus dem 3,4 Liter großen Sechszylinder, exakt 330 sind es in der R-Version. 5,0 Sekunden dauert der Sprint von 0 auf 100, maximal sind 282 km/h möglich. Beide Zahlenwerte haben wir keiner detaillierten Prüfung unterzogen, fest steht aber, dass der Fahrer und maximal ein Beifahrer beim Beschleunigen massiv in die ultraleichten Schalensitze gedrückt werden – untermalt von einem Crescendo aus den mittig platzierten Auspufftöpfen. Das R könnte dabei nicht nur für rasant stehen, sondern auch für reduziert: Durch den Verzicht auf Komfortelemente wie Klimaanlage und Radio, durch leichte Materialien an Türen oder dem Ersetzen von Türgriffen durch Schlaufen wird Gewicht eingespart, was der Sportlichkeit zugute kommt.
Der Hecktriebler gibt erfahrenen Piloten die Möglichkeit, sich auf der Rennpiste bis an die Grenzen der Physik heranzutasten, bleibt dabei aber dennoch alltagstauglich – wer es denn aushält, Schlaglöcher auf der Fahrbahn nach kurzer Eingewöhnungszeit auch ohne Inaugenscheinnahme auf die exakte Tiefe bestimmen zu können. Der tiefergelegte R entschädigt den Fahrer dafür aber in jeder Landstraßenkurve, die er steif wie ein Brett durcheilt.
Nicht, dass nüchterne Fakten einen potenziellen Käufer ins Porsche-Zentrum führen würden, aber dadurch, dass der Motor mittig direkt hinter den Sitzen verbaut ist, bleibt vorne (150 Liter) und hinten (260 Liter) relativ viel Stauraum. Für den klassischen Wochenendausflug zu zweit mit leichtem Marschgepäck ist also auch im Cayman R genügend Platz.
Wer allerdings ein empfindliches Ohr besitzt, der wird sich über das Wochenendhäuschen im Nachbardorf freuen: Auf langen Autobahnetappen kann das permanente Grollen aus dem Auspuff schon mal nerven – nach rund 500 Kilometern am Stück klingelten uns jedenfalls die Ohren. Und das lag nicht an der Heavy-Metal-Beschallung aus dem CD-Player. Um mit den 54 Litern aus dem Tank mehr als 500 Kilometer zu schaffen, ist ein besonders zarter Umgang mit dem Gasfuß vonnöten.
Knappe 70000 Euro sind für einen Cayman R zu zahlen, das sind satte 7000 Euro mehr im Vergleich zum zehn PS schwächeren Cayman S. Die Kunden werden es trotzdem zahlen – und die fehlenden Komfortelemente wie Klima- oder Audioanlage gleich dazuordern.
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