Gefahren: Ford Focus 1,6 EcoBoost
Osnabrück. Im ewigen Dreikampf zwischen VW Golf, Opel Astra und Ford Focus versucht jeder Hersteller, mit eigenen Argumenten zu punkten. Beim aktuellen Focus werden besonders Technik und Sicherheit in den Vordergrund gestellt. Wir haben den 150-PS-Benziner nicht nur dahingehend überprüft.
Optisch macht der kompakte Ford eine auffällige Figur; viele Kanten, Sicken und Falze zieren das Blech. Geschmackssache? Vielleicht. Unseren Geschmack trifft der Focus jedenfalls.
Bevor wir uns den zahlreichen elektronischen Helfern und Unterstützer zuwenden, ein wenig Basisarbeit: Der „EcoBoost“ genannte Turbobenziner schöpft 150 PS aus 1,6 Litern Hubraum, arbeitet vorzüglich leise und vibrationsarm, agiert aber durchzugsstark und willig ab der ersten Umdrehung. Ein Turboloch ist kaum vorhanden, auch aus niedrigen Drehzahlen sind Zwischenspurts jederzeit möglich.
Ohnehin geriert sich der Focus wie ein Kurvenräuber: Das Fahrwerk und das Dämpferverhalten gefallen vor allen Dingen sportlich ambitionierten Piloten, die so die eine oder andere Kehre gerne einmal dynamisch angehen, ohne dass der Focus sie in Sachen Stabilität und Spurtreue im Stich lassen würde.
Wer auf Technik steht, bekommt im Focus – teilweise gegen gesonderte Entlohnung des Herstellers – eine Vollbedienung, die selbst in der Mittelklasse nicht selbstverständlich ist. Die Verkehrsschild-Erkennung arbeitet beispielsweise zuverlässiger als bei der hochpreisigen Konkurrenz; der Spurhalte-Assistent rüttelt am Lenkrad, wenn der Fahrer unachtsam ist, der Totwinkel-Warner signalisiert potenzielle Gefahren in den Außenspiegeln.
Der Bordcomputer – so etwas wünschen wir uns in allen Autos –zeigt auf Wunsch auf einen Blick Durchschnitts- und aktuellen Verbrauch sowie die Reichweite an –nerviges Blättern in der Anzeige entfällt somit.
Der ruhige Motor stellt sich dank Start-Stopp zuverlässig an der roten Ampel ab, der Wiedereintritt in den Dienst geschieht leise und sanft.
Trotz Start-Stopp: Der „EcoBoost“ ist definitiv mehr „Boost“ als „Eco“; wer sich nicht zügelt, treibt den Verbrauch in Regionen, die mehr als zweieinhalb Liter über dem angegebenen Fahrzyklus-Wert liegen. Auch mit größter Disziplin lag der beste Wert bei 6,9 Litern auf 100 Kilometer. Unser Test-Focus war mit Navigationssystem und nahezu allem erhältlichen Komfort-Zubehör ausgestattet, was den Aufenthalt an Bord zur Tastenzeit macht: 51 (!) Tasten auf der Mittelkonsole, weitere 20 Druckpunkte am Lenkrad –wohl dem, der viel Zeit zum Studieren der Anleitung hat. Die Kniefreiheit auf den hinteren Plätzen ist für Erwachsene nicht ausreichend, beim Umklappen der Rücksitzbank (2/3 zu 1/3 möglich) bleibt eine Stufe.
Technik, die begeistert –diesen Werbespruch hat sich bereits ein anderer Autohersteller gesichert, doch für den Ford Focus passt er auch. Sportlich, extrovertiert und mit viel Hightech ausgerüstet, setzt der Kölner Kompakte ganz bewusst Kontraste zu seinen größten Konkurrenten Astra und Golf.
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