Sportlicher, aber sparsamer: Die Technik hinter dem Porsche 911
Stuttgart. Wenn in einigen Wochen die siebte Generation des Porsche 911, der deutschen Sportwagen-Ikone schlechthin, in die Porsche-Zentren rollt, wird ihn mancher auf den ersten Blick nicht als neues Modell identifizieren. Doch genau das ist er: Ein komplett neues Auto, das in puncto Sportlichkeit weiter vorneweg fahren, in Sachen Effizienz der Konkurrenz das Staunen lehren und den Fahrern mehr Komfort bieten will.
„Wir hatten bei der Entwicklung so viel Freiraum wie lange nicht mehr“, erinnert sich August Achleitner, als Bauherren-Chef der Elfer-Reihe so etwas wie der „Übervater“ des 911. „Am Anfang hatten wir ein weißes Blatt Papier“, so Achleitner, was übersetzt bedeutet: Die Entwickler schufen ein komplett neues Auto. Sicher, die Optik durfte nicht allzu signifikant verändert werden, das würden die treuen Kunden kaum akzeptieren. Doch ansonsten wurde kaum eine Schraube unangetastet gelassen. Im abgeschirmten Entwicklungszentrum in Weissach durften wir bereits einen intensiven Blick unter die Haube und die Karosserie werfen.
Sowohl Carrera (350 PS, +5) als auch Carrera S (400 PS, +15), die den Auftakt zu einer vermutlich wieder einmal endlosen Zahl von 911-Derivaten bilden, bleiben beim Verbrauch unter neun Litern. Damit setzt die Baureihe 991, die die Reihe 997 ablöst, den Porsche-Trend fort: Im Laufe der Jahre wuchs die Leistung des Carrera von unter 200 auf 400 PS im neuen Carrera S, der Verbrauch sank hingegen von rund 15 auf weniger als neun Liter.
Die Verbrauchsreduktion hat zahlreiche Gründe: Start-Stopp, ein „Segel“-Modus, optimierte Einspritzungen, Leichtbau, das weltweit erste Handschaltgetriebe mit sieben Gängen, weniger Luftwiderstand – nur einige der Punkte, die dazu führen, dass sich der 350 PS starke 911 Carrera (Downsizing à la Porsche: 3,4 statt 3,6 Liter Hubraum) in der Theorie mit 8,2 Litern auf 100 Kilometer zufrieden gibt. Dass die Kunden indes Respekt vor dem siebten Gang haben werden, glauben sie bei Porsche nicht: „Als vor einigen Jahren der sechste Gang kam, glaubte man auch, dass man damit nicht fertig werden würde, heute sind sechs Gänge Standard“, so Porsche-Ingenieur Markus Rettenmaier. „Man gewöhnt sich schnell an den siebten Gang.“ Im Alltag soll dieses Getriebe einen Verbrauchsvorteil zwischen einem und eineinhalb Liter bringen, sagt Rettenmaier.
Natürlich geht es bei einem neuen Porsche 911 nicht ausschließlich darum, Sprit zu sparen. Es geht auch um Fahrspaß, um Emotionen. Dafür soll auch ein neuer Soundcomposer sorgen, der bei Aktivierung der serienmäßigen „Sport“-Taste entsprechende Geräuschkulissen auch in den Innenraum transportiert. Ansonsten bieten die Sechszylinder-Boxermotoren das gewohnte Konzert, das je nach Aggregatzustand zwischen sonor-brummend bis heiser brüllend reicht.
Weniger Gewicht – bis zu 45 Kilo im Vergleich zum 997 – garantiert neben geringerem Verbrauch auch sportlicheres Vorankommen. Der Carrera S durcheilt in 7:40 Minuten die Nordschleife auf dem Nürburgring – 14 Sekunden schneller als der Vorgänger und somit auf dem Niveau der heutigen Turbo- oder GT3-Modellen. Klar, weniger Verbrauch ist schön und gut – aber erst bei solchen Zahlen und dem damit verbundenen Fahrspaß wissen sie in Weissach und Stuttgart: Gut, dass das Blatt Papier nicht mehr weiß ist...
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