Gefahren: Honda Jazz Hybrid - Kein gewöhnlicher Kleinwagen
Osnabrück. Jazz? Nein, danke. Zu hektisch, zu schrill, zu schräg. Aber nur, wenn es um die Musikart geht. Kommt die Rede auf den kleinen Honda gleichen Namens, dann sieht die Sache schon anders aus. Wir haben die Hybridversion des Jazz ausgiebig unter die Lupe genommen – und dieser konnte im Test vollends überzeugen.
Der Jazz ist seit vielen Jahren die Triebfeder Hondas in Europa, in Deutschland macht der Kleinwagen mehr als 40 Prozent aller Honda-Verkäufe aus.
Aber was heißt hier überhaupt „Kleinwagen“? Von den Abmessungen ist der Jazz vielleicht ein Kleinwagen, aber gefühlt sieht die Sache schon ganz anders aus. Das hohe Dach vermittelt ein angenehm luftiges Raumgefühl, Fahrer und Beifahrer kommen sich nicht ins Gehege. Auch auf den hinteren Plätzen findet sich mehr Platz als üblich in dieser Klasse; das angenehme Raumklima verstärkt sich nochmals, wenn das in den höheren Ausstattungsvarianten serienmäßige Panorama-Glasdach den Blick auf den Himmel freigibt.
Im hinteren Bereich wird es sogar magisch, wenn die „magic seats“ (magische Sitze) ins Spiel kommen: Diese lassen sich um- und wegklappen, in verschiedensten Konstellationen einstellen, sodass im Idealfall eine ebene Ladefläche von bis zu 1,72 Meter Länge entsteht. Und alle Vorgänge lassen sich mit erfreulich geringer Muskelkraft erledigen.
Etwas mehr Gehirnleistung muss erbracht werden, wenn man sich mit dem Cockpit des Hybrid-Jazz vertraut machen will. Eine große Armada an Schaltern und Tasten verwirrt zu Beginn der Beziehung, zahllose Info-Displays und animierte Grafiken geben Auskunft darüber, ob beispielsweise gerade der 14 PS starke Elektromotor unterstützend eingreift, wie hoch der Verbrauch des 88-PS-Benziners ist, wie ökonomisch man unterwegs ist und vieles, vieles, vieles mehr.
Dazu wechseln Drehzahlmesser & Co. noch wie ein Chamäleon die Farbe: Drückt man beherzt aufs Gaspedal, färbt sich das Display tiefblau, rollt man umweltverträglich, wechselt die Umgebung in ein zartes Grün.
Wer ein Auto mit ökologisch wertvollem Hybridantrieb fährt, der will natürlich vor allen Dingen grün sehen. Und dazu ist ein zurückhaltender Umgang mit dem Gaspedal vonnöten – doch das lernt der Fahrer schnell, denn die vielen Infografiken vom virtuellen Blumenwuchs bei besonders sparsamer Fahrt bis zur Durchschnittsverbrauchsanzeige animieren den Piloten, noch ein bisschen dezenter aufs Gaspedal zu treten, noch ein paar Tropfen Sprit weniger zu verbrauchen. Bei langsamer Fahrt – bis knapp 50 km/h – übernimmt der Elektromotor kurzzeitig die alleinige Verantwortung für das Vorankommen, mit etwas Übung und geduldigen Hintermännern im Stadtverkehr schafft man sogar eine ganz dezente Beschleunigung ohne Zuhilfenahme des Verbrenners.
Ein grüner Schalter links nebem dem Lenkrad namens „ECON“ sorgt für eine weitere Begrenzung der Möglichkeiten: Ist dieser gedrückt, wird die Leistung gedrosselt sowie an einigen anderen Stellschrauben gedreht, um den Verbrauch noch niedriger zu gestalten.
Ein wenig Übung erfordert auch das automatische CVT-Getriebe. Auch dieses verlangt eine zärtliche Behandlung; wer allzu forsch das Gaspedal auf den Boden presst, wird mit einem protestierenden Getriebe sowie einem laut aufheulenden Motor bestraft. Wenn das Getriebe nicht im etwas sportlicheren S-Modus agiert, stellt sich zudem der bekannte Gummiband-Effekt ein: Man drückt aufs Gaspedal, und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, als ob der Jazz von einem dicken Gummiband festgehalten werden würde.
Also: Lieber das Gaspedal sanft streicheln, dann bleibt zum einen der Motor des Japaners flüsterleise (nicht nur im Elektrobetrieb oder während der Start-Stopp-Ruhezeiten an der roten Ampel), und der nächste Tankstopp lässt noch etwas länger auf sich warten.
Damit ist auch klar: Die Autobahn ist nicht unbedingt das bevorzugte Terrain des Jazz, zumal dort Querfugen die Insassen schon mal ordentlich durchschütteln. Der Jazz Hybrid ist in der Stadt zu Hause. Dort kann der Elektromotor häufig helfen, den Wagen anzuschieben, dort lässt sich durch vorausschauendes Fahren und Rollen ohne Gaspedalbetätigung viel Kraftstoff einsparen. Und dort bringt der Jazz seine geringen Abmessungen bestens ein, wenn bei der Parkplatzsuche auch kleine Lücken genügen. Auch die prima Übersicht dank großer Glasflächen verbucht der Jazz auf der Habenseite.
4,5 Liter verbraucht der Jazz Hybrid auf dem Prüfstand, in der Praxis mussten wir, wie bei den allermeisten Fahrzeugen, ein paar Zehntelliter draufrechnen. Am Ende waren es exakt 5,5 Liter und somit ein Liter mehr – doch wir sind sicher: Hätten wir den Jazz noch ein paar Tage länger gefahren, hätten wir noch mehr Sparpotenzial freilegen können.
Mindestens 18900 Euro kostet der günstigste Jazz Hybrid, das sind stolze 6000 Euro mehr als in der Basis-Benzinversion. Dafür gibt es freilich das technisch aufwendige Hybridsystem – gutes Gewissen inklusive – sowie eine mehr als ordentliche Ausstattung. Kein Wunder also, dass der Honda Jazz Hybrid auch Jazz-Gegner überzeugt. In der fast lautlosen Pianissimo-Version können selbst wir uns mit Jazz anfreunden...
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