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Detroit Motor Show: Hersteller üben den Spagat zwischen grünem Gewissen und Gasgeben
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Quelle: SP-X 11. Januar 2012 19:05 Uhr

Leidenschaft und Vernunft

Detroit Motor Show: Hersteller üben den Spagat zwischen grünem Gewissen und Gasgeben

Detroit. Bill Ford tritt in die Mitte der Arena am Messezentrum in Detroit – und zweitausend Zuschauer jubeln ihm und dem neuen Fusion frenetisch zu: Die größte Inszenierung auf der Bühne der Detroit Motor Show wirkt nicht so aufgesetzt, wie sie zunächst erscheint.

 
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Mercedes SL: offenes Vergnügen. Fotos: Hersteller Dodge Dart auf Basis der Alfa Romeo Giulietta. Acura NSX Concept: Sportwagen mit Hybridantrieb. Buick Encore, bei uns bald als Opel Mokka zu haben. Lincoln MKZ: demnächst auch in Europa? Toyota Yaris Hybrid: schon bald startklar.
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Die Stimmung auf dem ersten großen Branchentreff ist tatsächlich meist optimistisch, zumindest aber kämpferisch. Die Aussteller aus Europa, Asien und den USA wollen mit ihren Modellen belegen, dass sie aus der Krise gelernt haben – und Vernunft mit Spaß und Leidenschaft verbinden können.

Fords neuer Fusion zeigt das; der neue Mittelklassewagen ist wohl das wichtigste Auto der Messe. Als Mondeo wird er ziemlich unverändert 2013 auch zu uns kommen. Beim Design sprechen die Macher das Herz an: Anklänge an britische Sportwagen sind besonders an der Front unverkennbar.

Das Innenleben des Autos aber ist für die Vernunft gedacht: Neben den Ford-eigenen EcoBoost-Vierzylindern gehen noch zwei Hybride an den Start. Ein 185 PS starker 2,0-Liter-Vierzylinder, der im Schnitt fünf Liter auf 100 Kilometern verbrauchen soll und durch einen Elektroantrieb mit Lithium-Ionen-Batterien befeuert wird. Dazu wird es einen weiteren Hybriden geben, den der Fahrer an der Steckdose aufladen kann; auch er soll kürzere Strecken elektrisch fahren können – und sich trotz seiner Leistung mit 2,4 Liter Benzin begnügen. Mit dem Lincoln MKZ zeigen die Amerikaner auch gleich eine Interpretation für ihre Luxusmarke, die auf Komfort setzt. Ford überlegt, damit nach Europa zu gehen.

Auch Chrysler hat aus der Krise gelernt – und lässt sich von der neuen Mutter Fiat helfen. Der daraus folgende Trend zeigt sich am umlagerten Star auf dem Chrysler-Stand: dem Dodge Dart. Der US-Bruder von Alfas Giuletta trägt unterm Blech viele Teile des europäischen Modells aus dem Fiat-Konzern, dem inzwischen die Mehrheit von Chrysler gehört. Etwa einen 1,4-Liter-Turbobenziner und den starken 2,4-Liter-Benziner, den der Kunde hierzulande schon kennt. Einen Hybriden vom Dart gibt es noch nicht. Und das ist fast schon eine Ausnahme auf dieser Messe, wo viele Aussteller mit edlen Hölzern und lindgrünem oder meerblauem Design ihre Naturverbundenheit beschwören – und ihren wiedergewonnenen Glauben an das Fahrvergnügen mit gutem Gewissen.

Auch wenn die Kunden in den USA mehrheitlich immer noch spritfressende Pick-ups und Vans lieben – die Hersteller stellen allesamt ihre ökologische Kompetenz in den Mittelpunkt. Und davon profitiert auch der deutsche Kunde. Etwa durch den ersten deutschen Diesel-Hybriden, den Mercedes zeigt. Im E 300 Bluetec Hybrid werkelt der bewährte Motor aus dem 250 CDI, aber unterstützt von einem Elektromotor. 4,2 Liter Verbrauch sollen so drin sein. Daneben debütiert aber mit dem neuen großen Cabrio SL auch ein Mercedes fürs Herz und die große Freiheit. In der Topversion SL 500 hat der einen Biturbo-V8 unter der Haube, der 435 PS entwickelt. 117096 Euro sind dafür fällig. Mit neun Litern benötigt er 20 Prozent weniger Verbrauch als der Vorgänger. Vernunft und Fahrvergnügen passen hier ebenfalls zusammen.

In diesem Konzert singt auch der Buick Encore-Crossover mit, den wir Ende des Jahres als Opel Mokka kennenlernen werden. Ein Opel-Corsa-SUV auf Amerikanisch: Mit fünf Sitzen, braven Motoren und den Vorzügen eines hochbeinigen Kleinwagens soll er in den USA ein neues Mini-SUV-Segment eröffnen – und in Deutschland für Opel neue Kunden gewinnen.

Eigentlich war man sich bei Audi gar nicht so sicher, ob der Q3 überhaupt etwas für den US-Markt ist: Geht der kompakte Crossover zwischen den großen US-Autos und -Pick-ups nicht unter? Audi-Chef Rupert Stadler bat ein Team von Designern, die Studie eines Q3 „für Amerika“ aufzubauen. Das Ergebnis: Die Studie Q3 Vail, benannt nach einem eleganten Skiort im US-Staat Colorado.

Bei der Umsetzung hat sich die Mannschaft aus dem Baukasten bedient – und die Ingredienzen noch einmal kräftig nachgeschärft. Unter der Haube des Q3 Vail steckt jener 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor, der auch den TT RS und den RS3 antreibt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Q3 bald in den USA angeboten; in Europa wird eine besonders sportliche S- oder RS-Variante erwartet.

Toyota will das Horrorjahr des Tsunami abhaken – und präsentiert gleich elf Premieren auf der größten US-Messe. Vom kleinen Yaris als Hybrid-Variante über den Prius-Hybriden mit Steckdosen-Anschluss bis zum Concept-Car des Lexus-Sportcoupés LF-LC ist für alle Kundenkreise etwas geboten. Die meisten Fahrzeuge werden auch auf unsere Straßen rollen.

Honda schließlich zeigt mit dem RDX 2013, der in den USA als Acura fährt, ebenfalls einen vernünftigen Midsize-SUV und mit dem ILX Concept den Ausblick auf den nächsten Mittelklasse-Konkurrenten von Audi A4 und Co. Krachen lassen es die Japaner aber auch: Der NSX Concept weist auf den nächsten Supersportwagen hin, der in drei Jahren auf den Markt kommen soll. Wenig überraschend, dass unter der Haube ein Hybrid-Antrieb mit über 400 PS zum Einsatz kommt. Und dafür gibt es in Detroit einmal mehr tosenden Beifall – für Leidenschaft und Vernunft.

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