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Gefahren: Honda Accord Tourer Type S – Sportlicher Komfort an der Grenze zur Oberklasse –Sträflich unterbewertet
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Gefahren: Honda Accord Tourer Type S – Sportlicher Komfort an der Grenze zur Oberklasse –Sträflich unterbewertet
Gefahren: Honda Accord Tourer Type S – Sportlicher Komfort an der Grenze zur Oberklasse –Sträflich unterbewertet
Osnabrück. Gerechtigkeit? Die gibt’s im Leben doch leider viel zu selten. Wie oft hat man schon beispielsweise verzweifelt auf die aktuellen Musikcharts geschaut und verständnislos den Kopf darüber geschüttelt, wer da gerade auf Platz 1 steht – und vor allen Dingen, wer das doch eigentlich viel mehr verdient hätte. Gerechtigkeit widerfährt auch dem Honda Accord Tourer nicht, den wir im Test als Type S mit der feinen 180-PS-Dieselversion mehr als nur schätzen gelernt haben.
Zum Thema Gerechtigkeit nur so viel: Im vergangenen Jahr wurden vom Accord (Limousine und Kombi, genannt Tourer) in Deutschland 2728 Exemplare zugelassen. Das schaffte Volkswagen mit dem in der gleichen Liga fahrenden Passat auch. Mit dem kleinen Unterschied, dass VW für knapp 2800 Passats keine zehn Tage brauchte: 103507 Zulassungen in 2011 dokumentieren den Unterschied und lassen den Accord ein Nischendasein fristen, was dieser nun wirklich nicht verdient hat.
Zunächst mal: Der Honda sieht einfach klasse aus. Zackig-sportlich an der Front, ohne ausfallend zu werden. Das etwas barocke Heck erinnert an selige Audi-80-Avant-Zeiten, freilich zeitgemäß interpretiert.
Wer einsteigt, hört beim Zuschmeißen der Tür ein sattes „Plopp“ – andere Importeurswagen lassen sich nur ein blechernes „Klick“ entlocken. Auch das Material im Innenraum erfreut die Sinnesorgane; leicht sportlich-schimmernd wechselt sich mit stilvollem Schwarz ab. Prima verarbeitet ist es rundherum, allenfalls die Anzahl der Bedienelemente überfordert den Fahrer zunächst – nach einigen Tagen kann man das meiste aber schon blind bedienen.
Die Sportsitze umfassen den Piloten und seinen Co, bieten viel Seitenhalt. Nicht so schön: Sie lassen sich nicht stufenlos in der Neigung verstellen, sodass nicht jeder die optimale Sitzposition findet. Platzängste muss vorne niemand fürchten, hinten wird es schon für manchen Siebtklässler zu eng: Die Dachlinie fällt schnell ab, schränkt so die Kopffreiheit ein. Die Füße lassen sich nicht unter den Vordersitz stellen – hier ist Gelenkigkeit gefragt.
406 bis 1262 Liter Gepäckvolumen sind kaum mehr als ein schlechter Witz, zum Vergleich: Der Passat schluckt im Normalzustand 200 Liter mehr, bei umgeklappter Rücksitzlehne sind es gar fast 470 Liter Unterschied. Selbst der kleine Skoda Fabia Combi hängt den Accord in dieser Hinsicht ab.
Für Honda- und Accord-Fahrer zählen andere Werte. Fahrspaß und Komfort beispielsweise, und in diesen Kategorien lässt sich der Mittelklasse-Kombi wahrlich nicht abhängen. Die 180 Pferde, die unter der Haube galoppieren, machen aus dem Japaner keinen brachialen Sportler. Aber: Sie rufen ihre Kraft sehr gleichmäßig und nachhaltig ab, gestalten auch eine spontane Beschleunigung sanft und harmonisch. Aus nahezu jeder Drehzahllage nimmt der Motor Gaspedalbefehle an.
Runterschalten in den nächstniedrigen Gang ist also nicht unbedingt erforderlich – dabei macht es einem der süße kleine Schaltknüppel, der an einen Computer-Joystick erinnert, durchaus leicht. Die Schaltgassen sind exakt definiert, alle sechs Gänge plus Rückwärtsgang lassen sich widerstands- und problemlos einlegen. Der Begriff „Joystick“ ist dabei gar nicht so weit hergeholt, das Schalten macht nämlich ausgesprochen Spaß und unterstreicht so noch den sportlichen Anstrich des Accord.
So lässt es sich in der Stadt entspannt im sechsten Gang bummeln, ohne dass aus dem Motorraum nerviges Brummen oder gar Nageln zu vernehmen wäre. Mit 180 PS will der Accord natürlich auch außerhalb der Stadt bewegt werden, fühlt sich sowohl auf der Autobahn als auch auf der Landstraße äußerst wohl. Auf kurvigen Strecken erfreut sich der Fahrer an der direkten Lenkung, bei der jedes kleine Zupfen am Steuer direkt in die gewünschte Richtungsänderung mündet.
Auf der Autobahn werden dank des geringen Geräuschaufkommens und unaufgeregten Dämpferverhaltens auch lange Strecken unproblematisch abgespult. Einzig über heftigere Querfugen rollt der Accord steif ab, lässt die Insassen spüren, was er von deutschen Straßen hält.
Die Sitzheizung, die den kalten Ledersitzen im Winter einen Hauch von Sommer abringen soll, war nicht nach unserem Geschmack: Sie brauchte zu lange, um auf Temperaturen zu kommen, schaltete wieder zu schnell ab. Ja, als Warmduscher hat man’s nicht immer leicht im Leben. Immerhin: Dank der MP3-Player-Anbindung mitsamt Steuerung über die Audioanlage sorgen Hörbücher oder die gewünschte musikalische Untermalung für Kurzweil – abseits vom Radio-Einheitsgedudel, die Charts rauf und runter.
In puncto Sicherheit liegt der Accord ebenfalls auf Höhe der Zeit; für knapp 2500 Euro ist ein Technik-Paket zu haben, das Tempomat mit Abstandskontrolle, Spurhalteassistent und präventives Fahrerassistenzsystem zum Warnen vor und Vermeiden von Unfällen beinhaltet.
Wer sich dazu durchringen kann, sich in der Mittelklasse vom Durchschnitt abzusetzen und für das scharfe S mindestens 37515 Euro zu investieren, der erhält einen umfangreich ausgestatteten Mittelklässler, der in puncto Fahrdynamik hohen Ansprüchen genügt und in Sachen Komfort an die Grenze zur Oberklasse stößt. Natürlich, der Preis ist durchaus selbstbewusst – aber wenn man im Schnellimbiss die extrascharfe Soße auf die Currywurst haben möchte, kostet das eben auch...
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23.05.2011
