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Gefahren: Mercedes CLS – Reiselimousine, Coupé und Sportwagen in einem
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Autor: Lothar Hausfeld 17. Februar 2012 15:06 Uhr

Maßanzug

Gefahren: Mercedes CLS – Reiselimousine, Coupé und Sportwagen in einem

Osnabrück. Dieses Auto lässt kaum jemanden kalt. Kaum jemand, der nicht staunend innehält, wenn es an ihm vorbeigleitet. Der Mercedes CLS ist Coupé, Reiselimousine und Sportwagen in einem – wir waren mit dem 265-PS-Diesel unterwegs.

 
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Hingucker: Der Mercedes CLS ist eines der schönsten Automobile, die derzeit zu haben sind. Aus nahezu jeder Position weiß die elegante Karosserie zu gefallen. Trotz der vier Türen überwiegt beim CLS die Coupé-Form. Vier Türen, vier Sitze: Der CLS hat auch innen die Abmessungen eines typischen Coupés. Auf den hinteren Sitzen geht es recht beengt zu, erst recht, wenn große Menschen Platz nehmen. Die Verarbeitung und die Materialauswahl ist ausgezeichnet - was man angesichts der Preise allerdings auch erwarten darf.
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350 CDI – das klingt erst einmal nach einem 3,5-Liter-Diesel, dabei schöpft der smarte Business-Gleiter seine Kraft aus „nur“ drei Litern. Derart aufschneidendes Auftreten hat der CLS eigentlich gar nicht nötig, denn allein seine äußere Hülle reicht schon völlig aus, um fasziniert zu träumen, wenn der schöne Sternenträger im Blickfeld auftaucht.

Viertürige Coupés sind so etwas wie der letzte Schrei der Automode, und irgendwie bekommen es die Designer solcher Autos immer wieder hin, dass bei der Kreuzung von konventioneller Limousine und sportlichem Coupé tatsächlich etwas hinreißend Schönes dabei herauskommt – was VW beim CC oder Audi beim A7 ausnehmend gut gelungen ist, toppen die Schwaben mit dem CLS nochmals deutlich. Muskulöse Formen und Kanten, wohin das Auge blickt, kraftvolle Eleganz trifft sportliche Leichtigkeit. Oder, etwas anders ausgedrückt: Der Mercedes CLS ist eine elegante Erscheinung im sündhaft teuren Maßanzug, der eindeutig auf Taille geschnitten ist. Aber: Er kann es sich fraglos erlauben.

Zumindest von außen betrachtet. Im Innenraum geht es – das kann natürlich nur bedingt überraschen – ebenfalls eng geschnitten zu. Auf den vorderen Sitzen stoßen Großgewachsene schon mal mit der Frisur an die Sonnenblende, von den hinteren zwei Plätzen wollen wir hier gar nicht reden. Dort machen es sich allenfalls Menschen von der Statur eines Nicolas Sarkozy gemütlich. Auch der französische Staatspräsident, den schönen Dingen des Lebens wahrlich nicht abgeneigt, würde hier im Innenraum angesichts der Verarbeitungsqualität und der Materialauswahl kaum etwas finden, was er kritisieren könnte.

Dank der hohen Schulterlinie und der kleinen Fenster fühlt man sich ausgesprochen geborgen auf einem der vier Plätze, doch wer hinter dem Lenkrad sitzt, der ärgert sich gleichzeitig über die bescheidene Übersicht, die das Rangieren mit dem fast fünf Meter langen Designungetüm erschwert.

Jede andere Gangart als das mühsame Suchen nach einem geeigneten Parkplatz bereitet dem Chauffeur aber deutlich größeres Vergnügen. Der Sechszylinder schnurrt derart zurückhaltend, dass man an der Tankstelle prüfend in den Tankdeckel schaut, ob der Motor tatsächlich nach Dieselkraftstoff verlangt. Selbst bei schnellerem Tempo bleibt das Aggregat vornehm zurückhaltend, säuselt den Insassen allenfalls ein paar zärtliche Liebesbekundungen ins Ohr.

Die siebenstufige Automatik, die per Wählhebel am Lenkrad betätigt wird, geht durchaus beherzt zur Sache, wechselt die Fahrstufen zügig, ohne dass die Insassen davon belästigt werden würden. Auch niedrige Drehzahlen werden akzeptiert – langsames Bummeln und Spritsparen sind ebenso möglich wie das spontane Beschleunigen im hohen Gang.

Apropos Spritsparen: Bei einer derart muskulös wirkenden Limousine, Pardon, bei einem derart muskulös wirkenden Coupé wie dem CLS würde man nicht vermuten, dass sich der Motor auch von einer sparsamen Seite zeigen kann. 265 PS, etwas mehr als sechs Sekunden für den Standardsprint oder das mächtige Drehmoment von 620 Newtonmetern versprechen zwar vor allen Dingen ein dynamisches Vorankommen und sind Werte, für die sich ein Sportwagen nicht schämen müsste. Doch wer sich zurückhält, stets auf Sicht fährt und den rechten Fuß im Zaum hält, der pendelt sich im Schnitt bei gut sechseinhalb Litern ein – angesichts der Fahrzeuggröße ein ausgesprochen respektabler Wert.

Das Fahrwerk ist für Mercedes-Verhältnisse überraschend straff ausgefallen, manche Bodenwelle stört die entspannte Stimmung an Bord nachhaltig. Die knapp zwei Tonnen Leergewicht machen sich beim Sprint oder auf gerader Strecke kaum bemerkbar, geradezu leichtfüßig wirkt der CLS in solchen Momenten. In zügig angegangenen Kurven spürt man dann aber doch, dass trotz des eng sitzenden Maßanzugs ein paar Kilo Hüftgold am Fahrzeug kleben, etwas schwerfällig ächzt der Hecktriebler dann um die Ecken.

Vorbildlich ist das Angebot an Sicherheits-Assistenten und elektronischen Unterstützern. Die vollautomatische Leuchtweitenregulierung beispielsweise hat uns in manchen dunklen Ecken auf wenig befahrenen Landstraßen jederzeit optimal den Weg erhellt – ohne dabei auch nur einmal den Gegenverkehr durch Fernlicht zu blenden – prima. Nicht ganz so vorbildlich ist dagegen, dass sich Mercedes-Benz trotz des nicht eben günstigen Einstiegspreises zahlreiche sinnvolle Assistenten teuer bezahlen lässt. Das Fahrerassistenz-Paket Plus mit Abstands-Tempomat oder Totwinkel-Assistent schlägt mit 2677 Euro zu Buche; die Rückfahrkamera scheint dagegen mit 476 Euro auf den ersten Blick geradezu ein Schnäppchen zu sein. Sie lässt sich allerdings nur für denjenigen ordern, der für 3117 Euro das (fraglos tolle!) Multimedia-System Comand Online bestellt hat. Überhaupt, die Aufpreisliste: Sie hält zahllose Gimmicks parat, mit denen man den Einstiegspreis von gut 63000 Euro mühelos um 20, 30, 40 Prozent anheben kann.

Nun gut, der Mercedes CLS spielt in einer Liga, in der eben nicht nur der Besitzer teure Maßanzüge trägt, sondern auch das Auto entsprechend kein Fahrzeug von der Stange ist. Und so werden nahezu 100 Prozent der verkauften CLS – im vergangenen Jahr mit deutlich über 6000 Stück in Deutschland das beste Pferd im Mercedes-Luxus-Stall – mit üppiger Zusatzbestückung vom Band laufen.


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