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Vermeintlich wohltätige Sammler arbeiten in die eigene Tasche
Osnabrück. Der eine oder andere Osnabrücker hat sie am Wochenende vor seiner Haustür vorgefunden: blaue Plastikeimer mit roten Deckeln. „Schuhsammlung und Kleidersammlung“ steht darauf geschrieben. Die Organisatoren sind die „Fa. OM“ und die „Kinder-Kranken-Hilfe e.V“. Am Montag wurden die Behälter wieder abgeholt. Wer geglaubt hat, die aussortierten Textilien gingen an Kinder in Not, der hat sich getäuscht.
„Die Sachen werden weiterverkauft“, gab der Organisator der Sammelaktion, Omar Omari, gestern auf Nachfrage unserer Zeitung ohne Umschweife zu. Auf dem Aufkleber, der auf den Eimern haftet, ist er namentlich nicht genannt. Hier ist lediglich die Rede von der „Fa. OM“, die die Sammelaktion „in Zusammenarbeit mit der Kinder-Kranken-Hilfe“ durchführe. Wer Näheres erfahren möchte, muss die angegebene Handynummer anrufen, unter der sich dann Firmeninhaber Omar Omari aus Düsseldorf meldet.
Ja, es sei eine gewerbliche Sammlung, sagt er, so wie es auf den Aufklebern ja auch klar und deutlich stehe. Hosen, Pullover, T-Shirts, Schuhe und sonstige Gegenstände, die die Leute in die Eimer werfen, verkaufe er weiter. Er zählt Länder wie Polen und die Slowakei auf. „Ich sage das alles ganz ehrlich“, betont Omari. Er sei kein Betrüger und zahle in Deutschland seine Steuern.
Offensichtlich sieht er sich aber durchaus immer wieder mit dem Vorwurf der Unseriosität konfrontiert. Liegt das etwa an dem auf den Eimern genannten Verein „Kinder-Kranken-Hilfe“, der zunächst einmal an einen gemeinnützigen Zweck der Sammlung denken lässt? 200 Euro spende er monatlich an den in der Nähe von Hildesheim ansässigen Verein, betont Omari. Für diesen habe er sogar auf sein eigenes Logo auf den Eimern verzichtet: „Er wollte gern genannt werden, damit er auch bekannt wird.“
Andreas Voget, Geschäftsführer des Dachverbands Fairwertung in Essen, erklärt das Ganze ein bisschen anders: Bei gewerblichen Altkleidersammlungen dieser Art, die bundesweit immer mehr zunähmen, „mieteten“ die Initiatoren gern den Namen eines Vereins. Auch durch den Abdruck von Vereinsnamen oder -logos wollten sie sich einen „wohltätigen Anstrich“ geben. Da die Veranstalter, so wie im Fall Omar Omari, durchaus einen Teil an den genannten wohltätigen Zweck spendeten, sei die Formulierung „Zusammenarbeit mit“ grundsätzlich nicht falsch. Gleichwohl suggeriere sie bei den angesprochenen Anwohnern zunächst ein anderes Sammel- und Spendenverfahren.
Karin Heinrich, Leiterin des Bereichs Bürger und Ordnung bei der Stadt Osnabrück, empfiehlt, sich genau anzuschauen, wer hinter einer Sammelaktion steckt: „Gibt es Zweifel, sollte man lieber auf bekannte, lokale Organisationen zurückgreifen.“ Dass gewerbliche Spendensammlungen wie die oben genannte ohne Erlaubnis ihre Eimer oder Wäschekörbe vor die Haustüren stellen, könne die Stadt nicht mehr verhindern. Am 1. Januar 2007 ist das „Niedersächsische Sammlungsgesetz“ außer Kraft getreten. Seitdem ist Sammeln nicht mehr erlaubnispflichtig. Ausnahme: Wenn auf öffentlichen Plätzen gesammelt wird, kann das Ordnungsamt einschreiten.
Das passiert in solchen Fällen, von denen Heike Jandek, Leiterin des DRK-Marktes am Konrad-Adenauer-Ring, berichtet. Auch ihr sind gewerbliche Sammelmethoden bekannt. Diese hätten in den vergangenen Monaten auch neben den im gesamten Stadtgebiet verteilten DRK-Containern zugenommen: „Da stellen dubiose Firmen immer wieder ihre Schuhcontainer auf“, berichtet Jandek. „Die lassen wir dann immer wieder von der Stadt entfernen.“
Deshalb sollte selbst der, der seine Sachen in öffentliche Container wirft, genau schauen, zu wem dieser eigentlich gehört.
Weitere Informationenzu Altkleidersammlungen: www.fairwertung.de
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